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17.05.2011 00:05 Uhr in Kinder & Jugend und Print

Alphamädchen und Weicheier - Warum sich die Rollenbilder für Mädchen und Jungs gerade ändern (O-Ton-Paket)

(ddp direct) Jahrhundertelang war alles ganz klar und einfach: Jungs sind stark, laut und selbstbewusst, strengen sich in der Schule nicht an, prügeln sich liebend gern und heulen nie. Mädchen sind nett, hübsch, hilfsbereit, fleißig in der Schule und im Haushalt, lieben Intrigen und heulen gern. Generationen über Generationen sind so erzogen worden. Doch so langsam ändert sich das alles, sagt die FOCUS-SCHULE-Redakteurin Iris Röll, hallo.


O-Ton 1 (Iris Röll, 0:01 Min.): „Schönen guten Tag!“

1. Frau Röll, früher waren die Geschlechterrollen ganz klar definiert. Und heute?

O-Ton 2 (Iris Röll, 0:34 Min.): „Heute ist das nicht mehr so einfach. Die Jugendlichen verabschieden sich von Klischees, sie nähern sich einander an. Es ist nicht mehr so klar, Mädchen machen das, Jungen machen das. Die Mädchen sind in der Schule sehr erfolgreich, sie treten sehr selbstbewusst auf, sie wissen, was sie wollen. Aber die können auch wieder beim Papa auf dem Schoß sitzen und ihn wirklich um den Finger wickeln. Das ist ein sehr ambivalentes Verhalten. Die Jungs heulen auch mal auf dem Fußballplatz und lassen aber trotzdem noch so auf dem Schulhof ordentlich den Macho raushängen. Sie suchen sich auch öfters mal Hilfe bei anonymen Beratungstelefonen. Das sind so kleine Hinweise, an denen man merkt, es ist alles in Bewegung, es tut sich sehr viel.“

2. Was sind die Gründe für diese Veränderungen?

O-Ton 3 (Iris Röll, 0:26 Min.): „Zuallererst haben sich natürlich die Eltern geändert. Also, wir erziehen unsere Kinder anders. Wir sagen nicht mehr, Jungs, weint doch nicht und mach dich mal nicht so schmutzig zu den Mädchen. Das heißt einfach, die Kinder können so sein, wie sie wirklich sind. Und das ist einfach eine größere Bandbreite als früher. Und dazu kommt, dass zum Beispiel die Jungs gerade sehr stark merken, dass so das traditionelle männliche Verhalten in der Gesellschaft nicht mehr so gut ankommt, dass sie sich ein bisschen ändern müssen.“

3. Wie kommen die Mädchen und die Jungs mit den neuen Anforderungen klar?

O-Ton 4 (Iris Röll, 0:31 Min.): „Das ist für die natürlich auch nicht sehr einfach, weil mehr Freiheit heißt ja auch immer, weniger Sicherheit. Das heißt, die sind sehr unsicher, die Jugendlichen. Es ist nicht mehr so klar, wie sollte ein Junge heute sein, wie sollen Mädchen heute sein. Diesen Weg müssen sie sich jetzt einfach selber suchen. Und die Eltern taugen da nicht mehr so richtig als Vorbilder. Zum Beispiel gab´s eine Befragung von Jungen zwischen 14 und 16 Jahren, die wurden 1995 durchgeführt. Da war noch für jeden Dritten zum Beispiel der Papa das Vorbild. Und zehn Jahre später war das noch für sechzehn Prozent so. Also, Sie merken, die alten Vorbilder, die taugen nicht mehr so.“

4. Trotzdem müssen Eltern ihre Kinder ja irgendwie erziehen: Wie hilft man also seiner Tochter, dass die ohne Probleme klarkommt?

O-Ton 5 (Iris Röll, 0:31 Min.): „Wir haben dazu natürlich ein paar Tipps zusammengestellt in der neuen FOCUS SCHULE. Also, bei den Mädchen ist ganz wichtig, sie vor allem aus dieser Perfektionsfalle rauszuholen. Sie kriegen ja über die Medien immer die Alpha-mädchen vorgehalten, so Stars wie Heidi Klum, wie Lady Gaga. Die sind ja sehr, sehr selbstbewusst, sehr selbstbestimmt. Die sind schön, die sind erfolgreich, die sind klug, die kriegen alles auf die Reihe. Und die Mädchen nehmen sich das sehr, sehr zu Herzen. Also, die setzen sich unter einen wahnsinnigen Erfolgsdruck. Und da ist ein ganz wichtiger Punkt bei Eltern, die erstmal davon wieder runterzuholen auf den Boden der Realität.“

5. Und worauf sollte man bei den Jungs besonders achten?

O-Ton 6 (Iris Röll, 0:36 Min.): „Bei den Jungs ist erstmal wichtig, ihr ursprüngliches Bedürfnis nach einem hohen Status. Das haben ja Jungen immer noch, das muss man einfach anerkennen, das ist so. Und man muss ihnen zeigen, wie man auch als guter Teamarbeiter, wie man auch als einfühlsamer Mann trotzdem einen hohen Status und viel Anerkennung bekommen kann. Das ist so die große Herausforderung. Für beide Geschlechter gilt übrigens: Wir müssen sie starkmachen, damit sie selber ihren eigenen Weg finden, der zu ihnen passt. Man weiß ja nicht so genau, was von den Kindern in 20 Jahren erwartet wird, aber was die Experten alle sagen, sie werden wesentlich flexibler sein müssen. Und das kann man natürlich nur, wenn man starke Wurzeln hat.“

FOCUS-Schule-Redakteurin Iris Röll über die sich wandelnden Rollenbilder bei Mädchen und Jungs und wie die Eltern ihren Kindern helfen können, sich damit zurechtzufinden, vielen Dank.

O-Ton 7 (Iris Röll, 0:01 Min.): „Ja, vielen Dank. Wiederhören!“


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