Aus dem Takt gekommen - Herzwochen informieren im November über Herzrhythmusstörungen (O-Ton-Paket)

(ddp direct) Wenn wir verliebt sind, dann schlägt das Herz schon mal ein bisschen schneller. Schon seit Jahrhunderten sind im Bewusstsein der Menschen Herz und Seele eng miteinander verknüpft. Man sagt nicht umsonst: „Als ich sie sah, schlug mein Herz bis zum Halse“ oder „Vor Schreck blieb mir fast das Herz stehen“. Im Herzrhythmus spiegeln sich unser Leben und unsere Gefühle. Eigentlich sollten Herzen ruhig und regelmäßig schlagen. Aber manchmal kommen sie einfach aus dem Takt. Nicht nur, wenn man aufgeregt ist oder eine Schrecksekunde erlebt. Auch Herzkrankheiten können den Muskel aus dem Takt bringen. Was die für Patienten bedeuteten und wie man vorbeugen kann, darüber kann sich jeder zu den Herzwochen der Deutschen Herzstiftung im November informieren. Jetzt spreche ich darüber mit Professor Thomas Meinertz, Kardiologe vom Universitären Herzzentrum Hamburg und Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung, hallo!

O-Ton 1 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:01 Min.): „Hallo, guten Tag!“

1. Herr Meinertz, was ist Thema der Herzwochen?

O-Ton 2 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:38 Min.): „Ja, das Thema ist Herzrhythmus-störungen und das schließt natürlich die unterschiedlichen Herzrhythmusstörungen mit ein. Das sind in der Hauptsache das Vorhofflimmern und von der Herzkammer die bösartigen Rhythmusstörungen, die Vorläufer eines plötzlichen Herztodes sein können. Da finden in Deutschland etwa 1000 Veranstaltungen statt, in denen Spezialisten der jeweiligen Region für die Patienten für Fragen und für Diskussionen zur Verfügung stehen. Die Patienten haben die Möglichkeit, die Ärzte anzusprechen. Besonders wichtig sind die Veranstaltungen zwischen Spezialisten der Region und Patienten.“

2. Herzen sollten regelmäßig schlagen. Wie schlägt das Herz eines gesunden Menschen?

O-Ton 3 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:19 Min.): „Das schlägt ziemlich regelmäßig, aber nicht so regelmäßig, wie man normalerweise glaubt. Wie jeder Motor mal einen Aussetzer hat, hat auch jedes Herz mal einen Aussetzer. Und es ist auch gar nicht weiter schlimm. Man kann sagen, dass diese Aussetzer mit zunehmendem Lebensalter mehr werden, so auch wie bei einem älteren Motor.“

3. Was könnte das bedeuten?

O-Ton 4 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:22 Min.): „Das sind Herzrhythmusstörungen, die absolut harmlos sind und die quasi am Übergang zwischen der Norm und krankhaften Veränderung stehen. Gewisse Herzrhythmusstörungen - sowohl langsame als auch schnelle - sind ganz normal, und wenn sie diagnostiziert werden, kann man dem Patienten sagen: ‚Damit können Sie leben. Das ist überhaupt kein Problem. Selbst wenn Sie sie spüren.‘“

4. Ab wann werden die Extraschläge und Verlangsamungen gefährlich für die Gesundheit?

O-Ton 5 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:25 Min.): „In aller Regel sind das Rhythmusstörungen, wenn gleichzeitig Herzkrankheiten vorliegen. Dann sind die Herzrhythmusstörungen Folge einer Herzkrankheit. Das muss man untersuchen. Das sieht man den Herzrhythmusstörungen selbst nicht an. Und dann gibt es eine dritte Gruppe, seltenere Gruppe, wo die Herzrhythmusstörungen selbst bei einem sonst ganz normalen Herzen gefährlich sein können. Eine elektrische Krankheit des Herzens.“

5. Wie kann man Herzrhythmusstörungen vorbeugen?

O-Ton 6 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:16 Min.): „Herzkrankheiten sollte man vermeiden, wenn man kann, weil als Folge der Herzkrankheiten eben auch schwerwiegende Herzrhythmusstörungen auftreten können. Also exzessiver Koffein-Genuss, exzessiver Stress, exzessiver Alkohol-Konsum können Herzrhythmusstörungen auslösen und verstärken.“

6. Wenn das Herz dann trotzdem aus dem Takt kommt, ab wann sollte man stutzig werden und den Kardiologen um Rat fragen?

O-Ton 7 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:30 Min.): „Wenn man Herzrhythmusstörungen hat und die in einem EKG aufgezeichnet werden, dann sollte man den Spezialisten aufsuchen. Der soll beurteilen: Handelt es sich bei den Rhythmusstörungen um eine harmlose Normvariante, was zum Alltag dazugehört? Zweitens: Handelt es sich um eine Krankheit des Herzens und die Herzrhythmusstörungen sind nur Folge einer Herzkrankheit? Oder handelt es sich um eine primär elektrische Herzkrankheit? Und die beiden Letzteren gehören in fachmännische Behandlung.“

7. Wie sind Herzrhythmusstörungen behandelbar?

O-Ton 8 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:43 Min.): „Also, letztendlich ist die beste Behandlung die, dass man die Ursache beseitigt. Das ist in der Gruppe, bei der Herzrhythmusstörungen Folge einer Herzkrankheit sind, natürlich am besten die Behandlung der Herzkrankheit. Dann beeinflusst man damit auch Herzrhythmusstörungen günstig. Zum Zweiten kann man sie mit allgemeinen Verhaltensmaßregeln - also Vermeidung von exzessivem Stress, Vermeidung von exzessivem Mengen von Alkohol, Vermeidung von zu kurzer Schlafdauer beispielsweise reduzieren oder vermeiden. Die dritte Säule der Therapie ist die symptomatische Therapie von Herzrhythmusstörungen mit speziellen Medikamenten, sogenannte Antiarrhythmika. Die vierte Säule der Therapie ist die Elektrotherapie.“

8. Was kann man mit Medikamenten erreichen?

O-Ton 9 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:50 Min.): „Mit Medikamenten, speziell mit Antiarrhythmika, kann man eine Unterdrückung von Herzrhythmusstörungen erreichen, oder eine Verminderung der Häufigkeit und Dauer der Herzrhythmusstörungen, so lange man die Medikamente nimmt. Die Medikamente haben keine heilende Wirkung. Wenn man die Medikamente absetzt, kommen die Herzrhythmusstörungen wieder. Das ist der Nachteil. Bei den meisten Medikamenten gegen Herzrhythmusstörungen gibt es Nebenwirkungen und auch eine Nebenwirkung, dass im Einzelfall Herzrhythmusstörungen verstärkt werden können. Und das kann eben zum Teil sehr unangenehm bis lebensbedrohlich sein. Deshalb leitet man bei den meisten Patienten eine antiarrhythmische Therapie mit Medikamenten besser in der Klinik ein, um sicher zu sein, dass wenn ein solcher Fall eintritt - Verstärkung der Herzrhythmusstörung - der Patient sofort gegenbehandelt werden kann.“

9. Es gibt neuerdings auch die Katheterablation. Was ist das und wie wirkt die?

O-Ton 10 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:43 Min.): „Die gehört zu den elektrischen Maßnahmen. Die hat rasant an Bedeutung gewonnen, seitdem man sie auch zur Behandlung von Vorhofflimmern einsetzt. Man geht mit dünnen Kathetern ins Herz, man ertastet die Stellen, wo die Herzrhythmusstörung entsteht. Und zwar ist das sichtbar an den elektrischen Signalen, sozusagen an den Mikro-EKGs, die dort im Herzen abgeleitet werden. Dann gibt man elektrischen Strom dort ab und verödet diese Stellen. Das ist an sich eine wunderbare Therapie, weil sie die Ursachen angeht. Und wenn man mal eine Ablation durchgeführt hat und man hat genau die Stelle getroffen, ist die Rhythmusstörung dann für immer beseitigt. Das ist eine fantastische Möglichkeit, weil es eine heilende Therapie ist.“

10. Für wen eignet sich die Katheterablation, für wen nicht?

O-Ton 11 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:37 Min.): „Für viele, viele Rhythmusstörungen eignet sich diese Therapie. Insbesondere für die Anfälle von schnellem Herzschlag auch bei jungen Leuten, die früher nur mit Dauermedikation behandelt werden können, die kann man häufig in einer Sitzung für immer beseitigen, sogenannte supraventrikuläre Tachykardien. Bei den aus den Herzkammern entstehenden schwerwiegenden Tachykardien, die lebensbedrohlich sind, kann man das häufig auch erfolgreich machen. Und sie eignet sich auch beim Vorhofflattern und insbesondere, noch häufiger, Vorhofflimmern, wo das Herz anfallsartig ganz unregelmäßig ist, meist die Patienten in Angst und Schrecken versetzt.“

11. Vorhofflimmern – das hört man immer wieder, was ist das eigentlich?

O-Ton 12 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:41 Min.): „Vorhofflimmern ist eine Rhythmusstörung, bei der der Vorhof, der sonst regelmäßig schlägt, ungeordnet elektrisch aktiv ist, ganz schnell und ganz unregelmäßig und sich nicht mehr als ganzer zusammenzieht. Dadurch stehen die Vorhöfe praktisch still, die Kammern können trotzdem weiterarbeiten, und in diesen mechanisch still stehenden Vorhöfen können sich Gerinnsel bilden, die verschleppt werden. Das Vorhofflimmern macht also diese Schlaganfälle. Das ist die große Komplikation von Vorhofflimmern. Und dieses Vorhofflimmern ist eine Rhythmusstörung, die mit zunehmendem Lebensalter immer häufiger wird.“

12. Wie kann man Vorhofflimmern behandeln?

O-Ton 13 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:47 Min.): „Das Vorhofflimmern kann man medikamentös behandeln im Sinne einer Vorbeugung, das es gar nicht erst auftritt. Wenn es längere Zeit besteht, kann man durch einen Elektroschock das Vorhofflimmern beseitigen. Aber es besteht die große Gefahr, dass es erneut zu Vorhofflimmern kommt. Und das muss man meist dann durch Medikamente verhindern. Und wenn diese Therapie nicht funktioniert, kommt die Ablation in Frage. Für Leute, die ein gesundes Herz haben und trotzdem Anfälle von Vorhofflimmern, dann können die Patienten ein solches Antiarrhythmikum nehmen und dann, nach ein bis zwei Stunden, kommt es dann unter dem Einfluss des Antiarrhythmikums zum Umspringen wieder in den normalen Rhythmus. Das kann man aber nur bei strukturell gesundem Herzen machen.“

13. Welche Gefahren können vom Vorhofflimmern ausgehen?

O-Ton 14 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:24 Min.): „Die größte Gefahr ist die Gerinnsel-Bildung in den Vorhöfen und die Gerinnsel-Verschleppung in den Gehirn-Kreislauf und meist sehr unangenehme Schlaganfälle. Wenn man es andersrum sieht: Schlaganfall-Patienten haben etwa bis zu ein Drittel Vorhofflimmern als Ursache ihres Schlaganfalls, also viele Schlaganfälle sind durch dieses Vorhofflimmern bedingt.“

14. Wie gefährlich ist das?

O-Ton 15 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:22 Min.): „Wer schon mal einen Schlaganfall gehabt hat, der ist zum Beispiel sehr hoch gefährdet, einen zweiten zu kriegen. Wenn man also dieses Risiko hat, dann muss man den Patienten mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandeln, die einen Schlaganfall verhindern. Die gerinnungshemmende Therapie zum Beispiel mit Marcumar ist wirksam und kann einen Schlaganfall mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit verhindern beim Patienten.“

15. Kann man Vorhofflimmern selbst erkennen?

O-Ton 16 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:27 Min.): „Die meisten jüngeren Patienten, nehmen wir mal an so unter dem 60. Lebensjahr, merken sofort, wenn sie Vorhofflimmern bekommen, das erste Mal. Wenn sie sich da daran gewöhnt haben, merken sie es nicht immer. Und wenn man den Eindruck hat, man hat plötzlich einen ganz unregelmäßigen und schnellen Herzschlag - wenn man den Puls fühlen kann, kann man das auch tasten, der Puls ist ungleichmäßig und immer ungleich stark gefüllt - dann sollte man das nachprüfen lassen.“

16. Zum Schluss: Wie sollten Patienten mit Herzrhythmusstörungen umgehen?

O-Ton 17 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:29 Min.): „Wenn man das Vorhofflimmern nimmt und sie merken das, dann soll man sich nicht aufregen, nicht dramatisieren. Das ist kein Grund, mit dem Notarztwagen in die Klink zu kommen. Aber man muss etwas tun. Man sollte es nicht verdrängen, sondern es muss in Fachbehandlung. Und der Fachmann, der Kardiologe, muss sagen beim Einzelpatienten, ist das bedeutsam, ist das gefährlich und muss das behandelt werden oder nicht! Und auch die Frage beantworten: Was ist die Ursache?“

Prof. Dr. Thomas Meinertz zu den Herzwochen, zu Herzrhythmusstörungen und wie man sie behandeln kann, vielen Dank!

O-Ton 18 (Prof. Dr. Thomas Meinertz, 0:01 Min.): „Danke auch, tschüss!“

Wenn Sie mehr zu Herzrhythmusstörungen wissen möchten, dann besuchen Sie doch eine der vielen Veranstaltungen der „Herzwochen“ vom 1. bis 30. November. Wo etwas in Ihrer Nähe stattfindet, erfahren Sie im Internet unter herzstiftung.de.