31.03.2011 11:45 Uhr in Verbraucherthemen und Alternative Energien

Bei Strom und Gas entscheidet der Geldbeutel – noch? Bisher spielten Umwelt und Nachhaltigkeit beim Energieversorgerwechsel kaum eine Rolle (Beitrag)

(ddp direct) Japan ist weit weg und Naturkatastrophen dieses Ausmaßes sind hierzulande nur schwer vorstellbar: Dennoch sind nach der schweren Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima mittlerweile rund 70 Prozent der Deutschen der Meinung, dass so ein tragisches Unglück mit seinen unabsehbaren Folgen auch in einem unserer Atomkraftwerke passieren könnte. Immer mehr Deutsche sind mittlerweile auch für einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie. Selbst wenn der Strom dadurch erstmal deutlich teurer werden würde. Ein auffälliger Sinneswandel, denn bisher standen da ganze andere Dinge im Vordergrund. Jessica Martin berichtet.


Sprecherin: Ökostrom führt bei uns immer noch ein Schattendasein. Laut Bundesumwelt-ministerium beziehen den bisher nur gut fünf Prozent der Deutschen. Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit spielen beim Strom also eher eine untergeordnete Rolle, sagt Heiko Genzlinger von YAHOO! Deutschland.

O-Ton 1 (Heiko Genzlinger, 0:11 Min.): „Die Studie, die wir Ende 2010 durchgeführt haben, zeigt eindeutig, dass das Thema Preis und die Preissensibilität ganz klar im Vordergrund stehen, gefolgt von dem Thema Umwelt und Ökotarifen.“

Sprecherin: Das heißt jetzt aber nicht automatisch, dass den Deutschen die Umwelt total egal ist.

O-Ton 2 (Heiko Genzlinger, 0:00 Min.): „Nein, es zeigt nur eindeutig, dass Preis, Preisgarantien und die Laufzeit des Vertrages als auch Service des Anbieters ganz klar im Vordergrund stehen. Umweltaspekte sind eher kein Motiv, den Anbieter zu wechseln. Man darf gespannt sein, ob sich die Atomkatastrophe in Japan auf die Auswahl der Anbieter in Zukunft auswirken wird.“

Sprecherin: Eins ist zumindest schon jetzt klar: Immer mehr Deutsche überlegen gerade, auf Ökostrom umzusteigen. Dafür nehmen sie sogar einen Anbieterwechsel in Kauf.

O-Ton 3 (Heiko Genzlinger, 0:12 Min.): „Also, diese Treue zu ihrem jeweiligen Anbieter, was wir vor zwei, drei Jahren noch gesehen haben, gibt es heute nicht mehr. Jeder Zweite will in 2011 den Stromanbieter wechseln, jeder Dritte sogar den Gasanbieter wechseln.“

Sprecherin: Das liegt natürlich auch daran, das man heutzutage viel mehr Möglichkeiten hat, seinem Anbieter genauer auf die Finger zu schauen und mit anderen zu vergleichen.

O-Ton 4 (Heiko Genzlinger, 0:19 Min.): „Ganz klar: Internet ist das Informationsmedium Nummer eins. Hier liegt auf der Hand, dass die Tarifvergleiche ganz klar im Vordergrund stehen, gefolgt von den Suchmaschinen als Informationsmedium, und auch die Seiten der Anbieter sind sehr, sehr wichtig. 75 Prozent der Befragten wollen den Abschluss auch online durchführen.“

Sprecherin: Aber Vorsicht: Manchmal steckt hinter angeblich grünen Tarifen trotzdem Atomstrom. Wer richtigen Ökostrom will, sollte also vor Vertragsabschluss immer erst genau das Kleingedruckte studieren.


Weitere Infos dazu gibt’s im Internet unter YAHOO.de. Übrigens: Noch ist jeder Dritte Kunde bei den örtlichen Stadtwerken, aber die Wechsellaune steigt. Nach der Atomkatastrophe in Japan wollen immer mehr auf Atomstrom verzichten und auf regenerativen Strom umsteigen.