04.01.2012 10:00 Uhr in Umweltthemen und Print

Die Jahreszeiten der Natur - So nutzen Sie den phänologischen Kalender für Ihren Garten (O-Ton-Paket)

(ddp direct) Das Jahr hat 365 Tage und 12 Monate – möchte man meinen. Beim phänologischen Kalender hingegen gibt es statt Monaten nur Jahreszeiten. Davon aber nicht nur vier, sondern ganze zehn. Und aufgrund unterschiedlichster Einflüsse auf das Klima ändern sich die Vegetationszeiten – der Klimawandel lässt grüßen. Bei der Phänologie, der Lehre der Erscheinungen, geht es darum, die Natur zu beobachten und daraus bestimmte Schlussfolgerungen zu ziehen. Warum diese für uns Menschen so wichtig sind, weiß Marie-Luise Schebesta, die stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift „Mein schönes Land“, hallo!

O-Ton 1: „Hallo, guten Tag!“

Wie genau ist der phänologische Kalender aufgebaut?

O-Ton 2: „Die Phänologie erfasst die Entwicklungsschritte bestimmter Wild-, Zier- und Nutzpflanzen, aber auch Beobachtungen aus der Tierwelt, wie zum Beispiel das Eintreffen der ersten Schwalbe oder das Schlüpfen der ersten Maikäfer. Der Beginn jeder phänologischen Jahreszeit wird durch ein bestimmtes Ereignis definiert und so beginnt zum Beispiel mit den ersten blühenden Schneeglöckchen der Vorfrühling. Wer genau hinschaut, kann in Wald und Wiesen, aber auch im eigenen Garten, eine jährlich wiederkehrende Abfolge von Blühbeginn, Blattentfaltung, Fruchtreife, aber auch Blattfärbung beobachten.“

Wofür sind diese Beobachtungen wichtig?

O-Ton 3: „Also, da gibt es ein ganzes Netzwerk von Beobachtern in ganz Deutschland, die diese genannten Entwicklungsschritte in der Natur erfassen. Wissenschaftler nennen das auch Wachstumsstadien oder Phasen. Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach sammelt und wertet diese Daten aus und die werden dann zum Beispiel genutzt für die Beratung von Landwirten oder auch – ganz wichtig – für den Pollenflugkalender. Zum anderen gibt es eben auch verschiedene wissenschaftliche Zwecke, im Zusammenhang mit der Klimaänderung, wo das sehr wichtig ist.“

Haben sich die Jahreszeiten in den letzten Jahren verändert?

O-Ton 4: „Ja, auf jeden Fall! Der phänologische Winter ist nämlich innerhalb der letzten Jahrzehnte um zehn bis zwanzig Tage kürzer geworden. Das ist also schon deutlich. Die Blätter verfärben sich im Herbst später und im Frühjahr startet entsprechend die Vegetation dann früher. Schneeglöckchen blühen ja in manchen Jahren schon im Januar oder die Hasel dann schon im Dezember. In manchen Wintern bleibt sogar der Rasen grün und muss dann schon im April wieder geschnitten werden.“

Welche Auswirkungen haben die Veränderungen auf die Landwirtschaft?

O-Ton 5: „Wenn die Apfelbäume früher blühen, dann sind natürlich auch die Früchte früher reif und dann auch früher auf dem Markt. Und so gibt es, dass man heute Apfelsorten schon Ende September kaufen, die früher erst Mitte Oktober geerntet wurden. Das gilt auch für andere Obstsorten. Auch die Weinreben blühen oft schon sehr zeitig und profitieren dann von der sehr lange sehr hochstehenden Sonne. Dann kann die Weinlese früher beginnen und die Qualität der Trauben ist natürlich besser – und so gibt es den Federweißen dann zum Teil dann eben auch schon Anfang September.“

Wie kann ich diese Erfahrungen für meinen Garten nutzen?

O-Ton 6: „Anstatt für bestimmte Arbeiten auf so ein ganz fixes Datum zu vertrauen, können Sie sich eben auch an diesen Entwicklungen der Natur orientieren. Wenn die Forsythien blühen, dann beginnt im phänologischen Kalender der Erstfrühling und das ist einfach die beste Zeit für den Rosenschnitt – und das ist eben in Norddeutschland zu einem anderen Zeitpunkt, als in Süddeutschland. Mit der Apfelblüte bricht dann der Vollfrühling an. Jetzt ist die Bodentemperatur so hoch, dass Gräsersamen gut keimen und der neue Rasen ausgesät werden kann. Aber auch Arbeiten wie Aussaat und Rückschnitt können so ganz im Rhythmus der Natur abgestimmt werden und das hat dann schlussendlich eben auch mehr Erfolg.“

Marie-Luise Schebesta, stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift „Mein schönes Land“, vielen Dank!

O-Ton 7: „Sehr gern geschehen!“

Viele weitere nützliche Tipps, wie Sie sich den phänologischen Kalender zu Nutze machen können, finden Sie in der aktuellen Ausgabe von „Mein schönes Land“ – ab sofort (4. Januar) beim Zeitschriftenhändler.