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Herr Michael Patzer
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- O-Ton-Paket
Schlagworte
- HausarztprogrammBaden-WürttembergVersicherungKrankenkasseMedizinArzt
Es anders besser machen! - Südwesten ist Vorreiter bei Hausarzt- und Facharzt-Programmen (O-Ton-Paket)
(ddp direct) Baden-Württemberg gilt so ein bisschen als das Musterländle unter unseren Bundesländern. Was die ärztliche Versorgung angeht, stimmt das auf jeden Fall: Vor zwei Jahren bereits führte die AOK dort als erste Krankenkasse aus freien Stücken ein flächendeckendes Hausarztprogramm ein. 2009 und 2010 wurden darüber hinaus erste sogenannte Direktverträge mit Fachärzten abgeschlossen, Anfang Januar 2011 sollen weitere folgen. Wie die Patienten davon profitieren, erklärt uns nun Dr. Christopher Hermann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, hallo!
O-Ton 1 (Dr. Christopher Hermann, 0:01 Min.): „Guten Tag!“
Herr Dr. Hermann, das AOK-Hausarztprogramm in Baden-Württemberg läuft bereits seit 2008. Wie wird es angenommen?
O-Ton 2 (Dr. Christopher Hermann, 0:16 Min.): „Wir sind Ende 2008 gestartet mit den Hausärzten, mittlerweile sind wir bei einer knappen Million Teilnehmer, Versicherten der AOK, die dort eingeschrieben sind und die Zahl ist kontinuierlich angestiegen, das freut uns sehr.“
2. Also eine positive Zwischenbilanz?
O-Ton 3 (Dr. Christopher Hermann, 0:19 Min.): „Absolut positiv, wir haben über 3.500 Ärzte, Hausärzte, die mitmachen, und wie gesagt jetzt knapp eine Million Versicherte. Und es sind genau die richtigen: Es sind die, die Versorgung brauchen, die Kranken, die dauernd auch den Hausarzt wirklich brauchen, und das war uns wichtig.“
3. Was haben Ihre Versicherten von diesen Direktverträgen bzw. Selektivverträgen mit Arztverbänden?
O-Ton 4 (Dr. Christopher Hermann, 0:36 Min.): „Nun, sie haben die Sicherheit, dass sie bestmöglich versorgt werden, was natürlich nicht mehr selbstverständlich ist bei den Problemen, die wir in der ärztlichen Versorgung haben. Sie haben die Sicherheit, dass sie auch frei sind von Zuzahlungen für fast alle Arzneimittel, die ihnen dort verordnet werden. Weil wir darauf setzen können, die Hausärzte verordnen richtig, verordnen das, was notwendig ist, und damit können wir Geld einsparen, was wir sofort an die Patienten, an unsere Versicherten, zurückgeben können.“
4. Warum gibt es diese neue und verbesserte Versorgungsform eigentlich nicht auch in anderen Bundesländern?
O-Ton 5 (Dr. Christopher Hermann, 0:32 Min.): „Nun, das ist ein schwierigeres Unterfangen, als man vielleicht von außen her denkt. Sie brauchen Partner, die bereit sind, neue Wege zu gehen, alteingetretene Pfade zu verlassen und sich auf neue und unbekannte Dinge einzustellen. Und das ist natürlich immer schwierig. Dazu brauchen Sie wie gesagt Partner, die den Weg mit Ihnen gehen, und die finden Sie eben nicht überall, aber Gott sei Dank wir in Baden-Württemberg mit dem Hausärzteverband und MEDI. “
Dr. Christopher Hermann von der AOK Baden-Württemberg über das bundesweit einzigartige Hausarzt- und Facharztprogramm, vielen Dank!
O-Ton 6 (Dr. Christopher Hermann, 0:01 Min.): „Auf Wiedersehen.“
Wie die Ärzte im Ländle dieses Konzept nach zwei Jahren beurteilen, fragen wir jetzt Dr. Werner Baumgärtner vom Ärzteverbund „MEDI Baden-Württemberg“, hallo.
O-Ton 1 (Dr. Werner Baumgärtner, 0:01 Min.): „Guten Tag.“
1 1. Herr Dr. Baumgärtner, was haben die Patienten von diesen sogenannten Direktverträgen zwischen Ärzten und Krankenkassen - auch im Vergleich zur regulären ärztlichen Behandlung?
O-Ton 2 (Dr. Werner Baumgärtner, 0:50 Min.): „Also, in erster Linie haben die Patienten davon, dass sie überhaupt noch einen Hausarzt finden und überhaupt noch einen Facharzt finden, denn wenn die Entwicklungen so weitergehen, werden wir in den nächsten fünf Jahren bei den Hausärzten etwa ein Drittel der Hausärzte verlieren, aus Altersgründen und weil wir keinen Nachwuchs mehr finden. Und in einigen Facharztbereichen wird’s die gleichen Entwicklungen geben. Und ich denke, es macht Sinn, dass man dann darüber nachdenkt, wie man die Hausarztpraxen attraktiver macht und die Facharztpraxen attraktiver macht, weil die Menschen wollen eigentlich zu einem Arzt in ihrer Nähe gehen, und sie wollen zu einem Hausarzt und sie wollen gern zu einem Facharzt gehen – und das machen wir mit diesen Verträgen, in dem wir in erster Linie mal die ärztliche Leistung besser bezahlen und die Planungssicherheit für die Praxen vergrößern.“
2. Da würde ich gern noch mal nachhaken: Welche Vorteile haben die Patienten dadurch konkret, wenn sie zum Arzt gehen?
O-Ton 3 (Dr. Werner Baumgärtner, 0:50 Min.): „Der Patient hat Vorteile, indem er zum Beispiel keine Rezeptgebühr bezahlen muss, wenn er bestimmte Medikamente erhält vom Arzt, also zum Beispiel rabattierte Arzneimittel. Das sind Arzneimittel, wo die AOK Verträge hat mit den Arzneimittelfirmen. Dann im ärztlichen Bereich wird die Wartezeit auf etwa 30 Minuten angesetzt, dass man höchstens 30 Minuten warten soll, und ein sehr wichtiger Punkt ist, dass wir schneller Termine für die Fachärzte bekommen, weil die Problematik ist ja heute, dass Sie Wochen bis Monate warten müssen, um Facharzttermine zu bekommen, weil die Fachärzte die Leistungen gar nicht mehr bezahlt bekommen im KV-System. Und hier wird jede Leistung bezahlt, das heißt, die Ärzte sind motiviert dann eben auch schneller zu arbeiten.“
3. Welche Bedeutung haben die mit der AOK Baden-Württemberg abgeschlossenen Verträge für die niedergelassenen Ärzte?
O-Ton 4 (Dr. Werner Baumgärtner, 0:41 Min.): „Wir bekommen pro Fall im Hausarztbereich mehr Geld. Man bekommt über die KV im Augenblick etwa 50 Euro im Vierteljahr pro Patient, in den neuen Verträgen sind es etwa 80 Euro pro Patient. Das ist eine deutliche Steigerung in der Vergütung und diese 80 Euro pro Patient haben wir betriebswirtschaftlich kalkuliert. Also, wir brauchen etwa so viel Geld im Vierteljahr pro Patient, um als Hausarzt über die Runden zu kommen. Die Ärzte haben einen finanziellen Vorteil und sie haben Planungssicherheit für die Praxen, und sie können ihre Praxen auch wieder verkaufen, was ein wichtiger Punkt ist. Im Augenblick werden viele Praxen verschenkt oder gar nicht weiter besetzt.“
4. Wird durch die Direktverträge die Kassenärztliche Vereinigung (KV), die bisher Verhandlungspartner der Krankenkassen war, in Zukunft überflüssig?
O-Ton 5 (Dr. Werner Baumgärtner, 0:21 Min.): „Nein, die wird sicher nicht überflüssig, weil es ist immer nur eine Teilmenge von Patienten, die eingeschrieben sind in diese Verträge. Und die kassenärztliche Vereinigung ist nach wie vor sehr notwendig, weil sie ja die flächendeckende Versorgung absichert und zwar in allen Bereichen. Aber die Versorung der Patienten wird sozusagen ergänzt und auch verbessert durch die neuen Verträge.“
Dr. Werner Baumgärtner von MEDI Baden-Württemberg über das AOK Haus- und Facharzt-Programm zur Verbesserung der ambulanten Versorgung, vielen Dank.
O-Ton 6 (Dr. Werner Baumgärtner, 0:01 Min.): „Bitteschön.“
Mehr über dieses bundesweit einzigartige Haus- und Facharztprogramm erfahren Sie im Internet zum Beispiel unter Hausarzt-bw.de oder AOK.de/Baden-Wuerttemberg.
