Ist Deutschland ein „Entwicklungsland“ in der Langzeitverhütung? (Beitrag)
(ddp direct) Drei Viertel der Frauen in Deutschland nehmen zur Verhütung orale Kontrazeptiva, also die „Pille“, ein. Nur ein Viertel entscheidet sich für eine moderne Langzeitverhütung. Dabei bietet diese Form der Verhütung einige Vorteile gegenüber der täglich einzunehmenden Pille. Dies haben unsere europäischen Nachbarn erkannt, und nutzen häufiger verschiedene Möglichkeiten der Langzeitverhütung, weiß mein Kollege Mario Hattwig
ANMODERATIONSVORSCHLAG:
Sprecher: Langzeitverhütung spielt bei den deutschen Frauen nur eine untergeordnete Rolle. Warum das so ist, erklärt Gynäkologe Dr. Klaus Peters aus Hamburg.
O-Ton 1: „Meiner Meinung nach liegt das daran, dass das beim Gespräch mit dem Frauenarzt nicht genügend kommuniziert wird. Ich war gerade auf einem Kongress in Kopenhagen und auf diesem großen Kongress stellte sich dann heraus, dass wir wirklich ein Entwicklungsland sind was Langzeitverhütung betrifft. Und international sieht man auch, dass der Trend dahin geht, diese Methoden mehr anzuwenden. Deshalb glaube ich auch: Wenn das mehr kommuniziert würde, dann würden solche Methoden eine viel größere Verbreitung haben.“
Sprecher: Neben der T-förmigen Kupferspirale gibt es die Hormonspirale, die eigentlich genauso aussieht. Allerdings wirkt statt des Kupferfadens ein Hormon das über 5 Jahre kontinuierlich abgegeben wird.
O-Ton 2: „Die anderen Methoden, die wir noch haben, ist ein Hormonstäbchen, das wird in den Oberarm unter die Haut gelegt, wirkt drei Jahre lang. Und die Dreimonatsspritze, das ist eine Hormonspritze, die immer drei Monate wirkt und dann neu gegeben werden muss.“
Sprecher: Vor allem die Langzeitverhütung mit der Hormonspirale hat Vorteile. Beispielsweise kann die monatliche Blutung schwächer werden oder ganz ausbleiben. Bezüglich der Kosten scheint die Hormonspirale auf den ersten Blick eine sehr teure Methode zu sein – sie liegen zwischen 300 und 350 Euro.
O-Ton 3: „Aber wenn man das pro Jahr rechnet, ist es im Verhältnis die günstigste Methode: Wenn man mal vergleicht, die Kosten einer Hormonspirale, die sich dann auf im Schnitt 70 Euro pro Jahr belaufen, dann kostet eine Pille im Schnitt 100 Euro, ist also schon teurer – und auch der Hormonring wäre teurer mit 172 Euro.“
Sprecher: Wer also verhüten möchte, sollte nicht unbedingt nur nach der Pille fragen – es gibt durchaus auch andere Alternativen.
ABMODERATIONSVORSCHLAG:
Wenn Sie sich über das Thema Langzeitverhütung informieren möchten, vereinbaren Sie am besten einen Termin bei Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen – der kann Ihnen genau sagen, welche Form der Verhütung für Sie die beste ist. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.bzga.de.
