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14.06.2011 00:05 Uhr in Eltern und Print

Kind und Karriere? Tipps für berufstätige Eltern (O-Ton-Paket)

(ddp direct) Morgens in aller Frühe die Schulbrote schmieren, in der Mittagspause schnell einkaufen, nach der Arbeit den Kindern bei den Hausaufgaben helfen - und dann abends erschöpft vorm Fernseher einschlafen. Das ist Alltag bei vielen berufstätigen Frauen. Bei all dem Stress sollte man denken: Glücklich sind die bestimmt nicht. Laut einer wissenschaftlichen Studie der TU Darmstadt sind sie genau das aber doch, oft sogar noch viel glücklicher als Kinderlose. Woran das liegt, weiß die FOCUS-Schule-Redakteurin Andrea Hennis, hallo.


O-Ton 1 (Andrea Hennis, 0:01 Min.): „Hallo, ich grüße Sie!“

1. Frau Hennis, was ist denn das Zufriedenheits-Geheimnis berufstätiger Mütter?

O-Ton 2 (Andrea Hennis, 0:33 Min.): „Das Geheimnis ist, dass Kinder einen in Nullkommanichts auf andere Gedanken bringen. Eine meiner Gesprächspartnerinnen, die als Führungskraft in einem großen Versicherungsunternehmen arbeitet, hat gesagt: ‚Man geht aus der Firma und dann ist das Wichtigste, ein bestimmtes Legosteinchen zu finden. Das ist ein wunderbares Gegengewicht und relativiert vieles.‘ Ich glaube, das ist es. Im Umgang mit den Kindern rückt der Ärger im Job in den Hintergrund und im Job schrumpfen die Alltagssorgen mit den Kindern auf Normalmaß. Aber natürlich darf man die Mehrfachbelastung nicht kleinreden. Langfristig geht das nur gut, wenn berufstätige Mütter sich bewusst Auszeiten nehmen und Unterstützung suchen.“

2. Genau das ist im Alttag ja oft äußerst problematisch. Wie bekommt man das denn am besten hin?

O-Ton 3 (Andrea Hennis, 0:43 Min.): „Ich denke, der Idealfall ist, dass Eltern gemeinsam überlegen, wer was und wie viel leisten kann, und dann versuchen, gleichberechtigte Lösungen zu finden. Das klappt aber in der Regel nicht von heute auf morgen. Meistens muss man sich erst mal zusammenraufen, Spielregeln ausdiskutieren. Klare Absprachen sind aber enorm wichtig. Und natürlich braucht man ein gewisses Maß an Toleranz. Man muss schon akzeptieren, dass der andere manches vielleicht ein bisschen anders macht, als man selbst. Das gilt übrigens für jede familiäre Hilfe. Auch wenn die Großeltern in die Betreuung einsteigen, bringen die natürlich ihre eigenen Vorstellungen von Erziehung mit. Aber dafür hat man dann auch stabile Bezugspersonen und muss nicht bis kurz vor Schuleintritt bibbern, ob das Kind jetzt den Hortplatz kriegt oder nicht. Das ist überhaupt so ein Unding: Wenn man will, dass Mütter arbeiten, dann muss man für Betreuungsplätze und flexible Arbeitsmodelle sorgen.“

3. Jetzt ist es ja nicht gerade so, dass die Teilzeit-Angebote auf der Straße liegen. Außerdem tun sich gerade viele Väter immer noch schwer damit. Woran liegt das?

O-Ton 4 (Andrea Hennis, 0:46 Min.): „Ich denke, dass berufstätige Eltern es so lange schwer haben, so lange Teilzeit ein Karrierekiller ist. Das ist auch der Grund, warum nur sechs Prozent der Väter Teilzeit arbeiten, obwohl 60 Prozent sagen, sie würden sich gern mehr um ihren Nachwuchs kümmern und dafür auch ihre Arbeitszeit reduzieren. Aber trotzdem: Ich denke, es bewegt sich was und die Familienfreundlichkeit wird immer wichtiger, auch für Unternehmen. Wenn die gute Leute haben und halten wollen, dann müssen sie sich einfach diesen Problemen in Zukunft stellen. Und den Eltern kann man nur raten, die Möglichkeiten auszuschöpfen. Es gibt da inzwischen sehr viel verschiedene Modelle: Vertrauensarbeitszeit- oder auch Jahresarbeitszeitkonten, mit denen man das Pensum sehr flexibel einteilen kann. Umgekehrt muss es dann aber auch in Ordnung sein, dass man nach Hause geht, weil das Kind krank ist. Und ich denke, je mehr Teilzeit arbeitende Mütter und Väter in Führungspositionen sitzen, desto selbstverständlicher wird das.“

4. Was raten Sie allen berufstätigen Eltern, die noch keine zufriedenstellende Lösung gefunden haben, Kind und Karriere unter einen Hut zu kriegen?

O-Ton 5 (Andrea Hennis, 0:27 Min.): „Erstens: Immer wieder hinschauen. Was klappt schon ganz gut, was noch nicht? Welche Strategien sind sinnvoll? Was hat sich jetzt nicht bewährt? Und dann natürlich entscheiden, wo muss ich vielleicht selbst meine Ansprüche so ein bisschen runterschrauben? Und wo brauche ich Unterstützung? Wichtig ist, dass man klar sagt, was man will und darauf achtet, dass auch die Grenzen respektiert werden. Vielleicht ist auch mal ein Jobwechsel sinnvoll. Mehr als ein Viertel der berufstätigen Eltern haben für mehr Familienfreundlichkeit schon mal den Arbeitsplatz gewechselt.“

FOCUS-Schule-Redakteurin Andrea Hennis über das Geheimnis erfolgreicher Familienmodelle, vielen Dank.

O-Ton 6 (Andrea Hennis, 0:01 Min.): „Gerne!“


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