03.05.2010 12:40 Uhr in Gesundheit und Naturmedizin

Natürlich sicher - Einfache und bequeme Verhütungsmethoden ohne Nebenwirkungen! (O-Ton-Paket)

(ddp direct) Sie ist gerade mal einen halben Zentimeter groß – eigentlich völlig unscheinbar. Aber ihre Auswirkungen waren gewaltig: die Pille! Vor 50 Jahren wurde mit ihr ein Meilenstein in der Geschichte der Emanzipation gesetzt. Millionen Frauen hat sie das Leben erleichtert. Ohne dieses patente Verhütungsmittel hätte es wahrscheinlich in der „Love und Peace Hippiezeit“ einen unschlagbaren Babyboom gegeben. Schließlich gab es bis dahin kaum eine andere Möglichkeit, eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Wie die Pille die Sexualität der Frau verändert hat, weiß die Frauenärztin Dr. Anita Schmidt-Jochheim. Hallo, Frau Schmidt-Jochheim!


O-Ton 1 (Dr. Anita Schmidt-Jochheim, 0:01 Min.): „Hallo, ich grüße Sie!“

1. Frau Doktor Schmidt-Jochheim, wie hat sich die Sexualität der Frauen durch die Einführung der Pille geändert?

O-Ton 2 (Dr. Anita Schmidt-Jochheim, 0:29 Min.): „Die Einführung der Pille Anfang der 60er Jahre im vergangenen Jahrhundert war ein Meilenstein, eine sexuelle Revolution. Denn sie ermöglichte es Frauen, erstmals in der Menschheitsgeschichte Sexualität und Fortpflanzung zu entkoppeln. Jahrhunderte lang war Sex für Frauen verbunden mit der Angst, schwanger zu werden und den ganzen damit verbundenen, zum Teil dramatischen, Konsequenzen für die Lebensführung. Und zum ersten Mal konnten Frauen ohne enthaltsam zu leben Sex genießen und selbst entscheiden, wann und wie oft sie schwanger werden wollten. Das war tatsächlich revolutionell.“

2. Es gibt aber auch viele, die die Pille nicht vertragen, zum Beispiel Kopfschmerzen bekommen oder stark zunehmen. Was empfehlen Sie Ihren Patientinnen in so einem Fall?

O-Ton 3 (Dr. Anita Schmidt-Jochheim, 0:35 Min.): „Das hängt ganz vom Einzelfall ab, und zwar unter Berücksichtigung vom Lebensalter, von der Familienplanung und - ganz wichtig - vom Partner. Es gibt eine Fülle von Verhütungsmitteln von ganz sicheren bis zu nicht ganz so sicheren. Statt der Pille käme natürlich noch die Spirale infrage, andere alternative hormonelle Verhütungsmittel, aber auch die natürlichen Verhütungsmethoden. Das ist zum Beispiel die so genannte Basaltemperaturkurve, dann die Billings-Methode, eine Art der Schleimbeurteilung, die Symptothermale Methode - und dann gibt es da inzwischen auch Geräte, die diese Methoden aufgenommen haben und die dann etwas bequemer in der Anwendung sind.“

3. Was sind die Vorteile dieser Verhütungsmethoden und welche Nachteile haben sie?

O-Ton 4 (Dr. Anita Schmidt-Jochheim, 0:23 Min.): „Die Vorteile sind, dass eine Frau mehr oder weniger gezwungen ist, sich mit ihrem eigenen Körper, mit ihrem Zyklus, zu beschäftigen und darüber auch sehr viel über sich selbst erfährt. Damit ist aber auch gleich wieder der Nachteil verbunden, dass man sehr viel Disziplin aufbringen muss, auch die Bereitschaft, sich mit dem eigenen Körper zu beschäftigen; dass man jeden Tag erstmal sich überlegen muss, habe ich jetzt einen fruchtbaren Tag oder ist es ein Tag, wo nix passieren kann. Das ist nicht immer so einfach.“

4. Was kann Frau machen, wenn ihr dieser Aufwand zu groß ist?

O-Ton 5 (Dr. Anita Schmidt-Jochheim, 0:20 Min.): „Dann wäre zum Beispiel eine Alternative ein kleiner Mini-Computer, der über einen Urintest anzeigt, ob eine Frau jetzt gerade ihre fruchtbaren Tage hat oder nicht. Das ist ein Farbsignal, das ist in der Anwendung relativ einfach, aber erfordert eben auch, dass man zunächst erstmal eine Urinprobe abgibt und dann so einen kleinen Stick damit benetzt und den dann einliest.“

5. Was sollte Frau dabei unbedingt beachten?

O-Ton 6 (Dr. Anita Schmidt-Jochheim, 0:28 Min.): „Es braucht eine Anlaufzeit, um Daten erstmal zu gewinnen. Der Computer muss auch erstmal eine gewisse Weile beobachten, wie läuft das bei dieser Frau jetzt im Einzelnen ab? Und wenn das dann alles eingehalten ist, liegt bei korrekter Anwendung die Sicherheitsquote etwa bei 94 Prozent. Heißt aber im Umkehrschluss auch: Schwangerschaften sind trotz hoher Sicherheit und trotz korrekter Anwendung möglich. Und deshalb ist die Einbindung und das Verständnis des Partners ganz wichtig – und der Rat, trotzdem vielleicht Kondome zu verwenden.“

Die Frauenärztin Anita Schmidt-Jochheim über die Vor- und Nachteile von natürlichen Verhütungsmethoden, vielen Dank!

O-Ton 7 (Dr. Anita Schmidt-Jochheim, 0:02 Min.): „Ich danke Ihnen ganz herzlich für das Interview!“


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