27.03.2011 14:50 Uhr in Internet und Print

Rabattfieber - Die Renaissance der Gutscheine und Schnäppchen (O-Ton-Paket)

(ddp direct) Die Deutschen sind ein Volk von Schnäppchenjägern: Sie stöbern im Internet mithilfe von Preissuchmaschinen nach interessanten Angeboten und fahren manchmal sogar Hunderte von Kilometern weit, weil irgendein Factory-Outlet Designerklamotten zum halben Preis anbietet. Nicht zu vergessen die diversen Bonus- und Treuekarten, die die meisten im Portemonnaie mit sich rumschleppen und das Coupon-Fieber, dem immer mehr Shopper verfallen. Warum wir darauf alle so abfahren, verrät der FOCUS-Redakteur Matthias Kowalski, hallo.

O-Ton 1 (Matthias Kowalski, 0:01 Min.): „Schönen guten Tag!“

1. Herr Kowalski, warum setzt bei den meisten Menschen der Verstand aus, wenn sie die Worte Sonderangebot, Schnäppchen oder Rabatt lesen?

O-Ton 2 (Matthias Kowalski, 0:16 Min.): „Ja, da haben doch die Hirnforscher eine eigentümliche Erklärung dafür: Unser Belohnungszentrum wird angesprochen, so wie wir Prozentzeichen sehen oder eben Rabatte oder Schnäppchen hören. Und dann schaltet der rationale Verstand tatsächlich aus, und wir kaufen Dinge, die wir gar nicht brauchen, nur weil sie günstig sind.“

2. Sind eigentlich alle Schnäppchenjäger gleich, oder gibt es da Unterschiede?

O-Ton 3 (Matthias Kowalski, 0:30 Min.): „Es gibt Unterschiede. Wir haben fünf Typen herausgefunden. Das macht eine Firma, dies sich damit auskennt und die Konsumenten bewertet. Und die sagt, es gibt Menschen, die einem Bluthund gleich sind. Die suchen gezielt und sehr ausdauernd und lange nach dem besten Preis für das Produkt, das sie genau im Blick haben. Es gibt die Beutegreifer, es gibt einen Hamsterer, einen, der eher stöbert, oder einen Aufblüher. Und das ist der, der will sich mit dem Kauf einfach nur was Gutes tun - und der Preis spielt eine untergeordnete Rolle. Aber wenn er günstig ist, dann greift er auch da zu.“

3. Was ist denn der neueste Trend zurzeit bei der Schnäppchenjagd?

O-Ton 4 (Matthias Kowalski, 0:35 Min.): „Der neueste Trend sind diese Gutscheine, die über die Firma Groupon über uns hereinbrechen. Das tun sie jetzt etwa schon seit gut einem Jahr. das sind einfach Gutscheine, die man sich aus dem Internet herunterladen kann. Und dann bekommt man beispielsweise einen Einkaufsgutschein im Wert von 50 Euro für nur die Hälfte, nämlich 25 Euro, die man dann bezahlen muss. Das sind hauptsächlich Restaurants und sehr viele Wellnessangebote, angefangen vom Masseur bis hin zum Friseur um die Ecke. Und das macht momentan einen riesigen Boom. Rund um die Welt tritt das einen Siegeszug an – und bei uns machen auch schon dreieinhalb Millionen Deutsche mit.“

4. Worauf sollte man da besonders aufpassen, wenn man das macht?

O-Ton 5 (Matthias Kowalski, 0:24 Min.): „Das sind vor allem die Verfallsdaten, und das ist die Frage, wer bietet eigentlich dieses Schnäppchen wirklich an? Wenn ich weiß, dass mein Italiener mit vier Tischen um die Ecke tatsächlich fünfhundert solcher Gutscheine für ein romantisches Abendessen für die Hälfte verkauft, dann kann ich mir ja ausrechnen, dass ich vielleicht im halben Jahr oder gar nicht drankomme. Die meisten Gutscheine aber, die verfallen ja bereits nach drei Monaten oder nach sechs Monaten.“

5. Das heißt also, die Anbieter dieser Gutscheine verdienen sich daran eine goldene Nasse. Ein lukratives Geschäft: Was wird da in Zukunft noch so alles auf uns zukommen?

O-Ton 6 (Matthias Kowalski, 0:25 Min.): „Wir werden also ganz direkt und personalisiert auf unsere Handys, unsere Smartphones künftig Schnäppchen angezeigt bekommen. Beispielsweise: Wir gehen auf die Straße und prompt zeigt uns unser Handy an: hier der Inder um die Ecke hat gerade jetzt um zwölf Uhr ein Angebot. Das Mittagessen kostet nur fünf Euro statt 12 Euro 90. Oder ein Masseur um die Ecke hat tatsächlich in einer halben Stunde noch einen Termin frei und dort gibt’s die Massage für die Hälfte.“

Wenn das nicht mal goldene Zeiten für alle Schnäppchenjäger werden. FOCUS-Redakteur Matthias Kowalski über das Rabattfieber und was da in Zukunft noch so alles auf uns zukommen wird, vielen Dank.

O-Ton 7 (Matthias Kowalski, 0:01 Min.): „Bitte sehr, tschüss!“

Wenn Sie auch immer schon mal ganz genau wissen wollten, warum Sie an keinem Sonderangebot vorbeigehen können: Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen FOCUS-Ausgabe - ab Montag (28.03.2011) bei Ihrem Zeitschriftenhändler.