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- O-Ton-Paket
Schlagworte
- RavensburgerWeltspieltagDas verrückte Labyrinth
Spielen trainiert das Denken- Internationaler Weltspieltag am 28.05.2011 (O-Ton-Paket)
(ddp direct) Die meisten Kinder spielen gern, allein oder mit Freunden, draußen, am Computer oder mit den Eltern ein gutes Karten- oder Brettspiel. Viele Erwachsene allerdings halten Spielen eher für Zeitverschwendung. Was an diesem Vorwurf dran ist, darüber sprechen wir jetzt zum Internationalen Weltspieltag (28.05.2011) mit dem Psychologie-Professor und Spieleautor Max Kobbert. Er hat unter anderem den Klassiker „Das verrückte Labyrinth“ erfunden, hallo.
O-Ton 1 (Prof. Max J. Kobbert, 0:01 Min.): „Hallo, ich grüße Sie.“
1. Herr Kobbert, wie wichtig ist das Spielen für die menschliche Entwicklung?
O-Ton 2 (Prof. Max J. Kobbert, 0:23 Min.): „Jedes Kind braucht das Spiel für seine persönliche Entwicklung. Ich würde sogar so weit gehen, dass jedes Kind eigentlich das Meiste, was es kann in den ersten Lebensjahren, rein durch das Spiel erfährt. Es lernt wahrzunehmen, sich zu bewegen, zu denken, es lernt Konflikte auszufechten, auch anderen zu helfen oder sich helfen zu lassen, es lernt verlieren, es lernt gewinnen – alles über das Spiel.“
2. Für viele Jugendliche und Erwachsene ist Spielen aber reine Zeitverschwendung. Wie sehen Sie das?
O-Ton 3 (Prof. Max J. Kobbert, 0:38 Min.): „Manche meinen, wenn man älter ist, braucht man nichts mehr zu lernen. Das ist natürlich völlig verkehrt. Jeder weiß, wie schnelllebig gerade unsere Zeit ist, wo man sich ständig umstellen muss, wo man flexibel sein muss. Und da sind eigentlich Spiele wunderbar geeignet, um Routinen aufzubrechen, dass man flexibel bleibt. Gerade wenn man älter wird, merkt man ja von sich selber, dass man immer mehr in Routinen verfällt. Und Spiele stellen einen immer wieder vor neue Herausforderungen, denen man sich stellen muss, und simulieren neue Situationen die man so noch gar nicht kennen gelernt hat, stellen eine neue Rollenverteilung auch zwischen den Spielern her. Und das fördert eine ganze Menge Flexibilität, die man ganz gerne üben möchte.“
3. Wie kommt ein Psychologieprofessor denn auf die Idee, so ein Spiel wie „Das verrückte Labyrinth“ zu erfinden?
O-Ton 4 (Prof. Max J. Kobbert, 0:38 Min.): „Die meisten Menschen denken, Denken, das wäre logisches Denken. Aber das ist einfach falsch. Denken funktioniert ganz anders. Und Denken hat sehr viel zu tun mit der Anschauung, also was wir sehen, was wir wahrnehmen und was man damit machen kann, was wir sehen. Und das ist die Art von Denken, die mich besonders interessiert, nämlich das anschauliche Denken. Da habe ich auch schon als Psychologie-Professor und auch schon vorher als Student mir immer wieder
Denkaufgaben ausgedacht, die in irgendeiner Weise interessant waren, die auszuknobeln waren - alles anschauliche Denkaufgaben. Da lag es also nahe, auch ein Spiel zu machen, wovon viele andere was haben – nämlich das Labyrinth.“
4. Warum haben Sie ausgerechnet das Labyrinth gewählt, um diese Art des Denkens zu trainieren?
O-Ton 5 (Prof. Max J. Kobbert, 0:46 Min.): „Das Labyrinth hat Menschen schon immer fasziniert, hat mich auch fasziniert: Wege zu finden mit Irrgärten, mit Irrwegen darin, mit Sackgassen und so weiter, da Methoden zu finden, da raus zu finden. Und jeder kennt ja solche Labyrinthe aus Rätselzeitungen und Rätselbüchern. Mir hat nur immer Leid getan, dass wenn man die Lösung hatte, war das Labyrinth erledigt. Und ich hatte gedacht, wenn man ein Spiel damit macht, müsste das ein Labyrinth sein, was sich ständig verändert und ständig neue Herausforderungen stellt. Und genau das war der Ansatz. Aber ich habe Jahre gebraucht, um dann die Idee zu haben, die ja doch sehr einfach aussieht beim verrückten Labyrinth, wo einige Kärtchen fest liegen, andere werden zwischendurch lose herum geschoben und gestatten es auf diese Weise, ständig neue Wege herzustellen. Und das war im Grunde genommen das Grundkonzept, was wunderbar funktionierte.“
5. Und wer gewinnt das Spiel?
O-Ton 6 (Prof. Max J. Kobbert, 0:25 Min.): „Die erste Idee war gewesen: Der zuerst aus dem Labyrinth herausfindet, aber dann war das Spiel nach zwei Minuten zu Ende. Das konnte es nicht sein. Und dann ergab sich fast wie von selbst: Dann wird man eben hin und her durchs Labyrinth geschickt zu wechselnden Zielen. Sehr einfach im Prinzip und jeder versteht das sofort, braucht nicht lange die Spielanleitung zu lesen. Ein bisschen hingucken und schon kann man es mitspielen. Und das ist sicher einer der Gründe, weswegen das Spiel sich so gut verkauft hat auch. Weil man es sofort versteht.“
6. Das Spiel ist weltweit mehr als 13 Millionen Mal über die Ladentheken gegangen und feiert jetzt seinen 25. Geburtstag. Warum fasziniert es die Menschen noch immer?
O-Ton 7 (Prof. Max J. Kobbert, 0:33 Min.): „Ich glaube, Wege zu finden, die man nicht für möglich hielt, das ist ein ständiges Erfolgserlebnis. Was dieses Spiel vermittelt, immer wieder neu, weil die Situationen sich ja auch ständig verändern. Und ab und zu wünscht man sich, dass man vielleicht doch durch die Wände gehen könnte. Und das bietet jetzt auch das Jubiläumsspiel, das zum 25. Jubiläum jetzt herausgekommen ist. Das hat ein paar kleine Extras. Dazu gehört auch, dass man also ab und zu auch mal durch die Wand gehen darf. Und damit einem alten Bedürfnis entsprochen wird: Es gibt nichts Schöneres, als einen Weg zu finden, der unmöglich schien.“
Der Psychologie-Professor und Spieleautor Max J. Kobbert über den Wert des Spielens und das 25-jährige Jubiläums seines Klassikers „Das verrückte Labyrinth“, vielen Dank.
O-Ton 8 (Prof. Max J. Kobbert, 0:01 Min.): „Auf Wiederhören!“
