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09.12.2010 00:00 Uhr in Gesundheitspolitik und Print

Vorsicht vor fiesen Keim-Attacken in der Klinik! - Warum manche Krankenhäuser nicht gesund sondern krank machen (O-Ton-Paket)

(ddp direct) Es ist eine tickende Zeitbombe: Jedes Jahr sterben in unseren Krankenhäusern Tausende Patienten an einer Infektion. Das Kuriose dran: Die meisten werden erst in der Klinik lebensgefährlich krank. Schuld daran sind übrigens nicht schusselige Ärzte, die ihr Operationsbesteck in der Bauchhöhle des Patienten vergessen. Nein, es sind fiese Keime, die sich in vielen Kliniken eingenistet haben und die man nur schwer wieder los wird. Tilo Neuhaus vom unabhängigen Verbrauchermagazin „Guter Rat“ verrät uns mehr dazu, hallo.

O-Ton 1 (Tilo Neuhaus, 0:01 Min.): „Guten Tag!“

1. Herr Neuhaus, was für Keime lauern da in vielen Kliniken?

O-Ton 2 (Tilo Neuhaus, 0:26 Min.): „Wir reden hier über eine bestimmte Keimfamilie, die abgekürzt MRSA genannt wird. Die gibt es bereits seit 50 Jahren. Die haben sich in dieser ganzen Zeit gegen alle möglichen Medikamente durchgesetzt und sind mittlerweile völlig resistent gegen die meisten verfügbaren Antibiotika. Es gibt sie auch außerhalb von Krankenhäusern. Da fallen sie aber meist gar nicht so auf, weil bei einem gesunden Menschen können sie nicht so viel Schaden anrichten. Bei anfälligen Patienten ist das ganz anders.“

2. Wie gefährlich ist das Ganze für die Patienten?

O-Ton 3 (Tilo Neuhaus, 0:20 Min.): „Im schlimmsten Fall löst dieser Keim schwere Wund- und Atemwegs-Infektionen aus, und die können sogar tödlich enden. Fachleute schätzen, dass in deutschen Kliniken sich jedes Jahr 500.000 Patienten an diesen Keimen anstecken. Und ungefähr 20.000 Patienten enden tödlich. Das Tückische ist, dass es kaum wirksame Medikamente dagegen gibt.“

3. Warum kriegt man dieses Problem nicht in den Griff?

O-Ton 4 (Tilo Neuhaus, 0:20 Min.): „Der größte Schwachpunkt ist die mangelnde Hygiene in den Kliniken. Schlecht sterilisiertes OP-Besteck, die Ärzte waschen sich nicht oft genug die Hände. Und die Kliniken schaffen es nicht, auch aus Zeitdruck und aus Personalmangel, neue Patienten zu überprüfen, ob sie bereits diese Keime in die Kliniken hereintragen. Das ist möglich, aber das erfordert Zeit.“

4. Was empfehlen Sie den Krankenhäusern in solchen Fällen?

O-Ton 5 (Tilo Neuhaus, 0:20 Min.): „Es gibt neue Entwicklungen, zum Beispiel ein Pflaster, das sich verfärbt, wenn die Wunde infiziert ist, da kann man dann schnell reagieren. Man kann Türgriffe, Lichtschalter theoretisch aus Kupfer herstellen, dort haben die Keime schlechte Lebensbedingungen. Aber das Entscheidende ist wirklich das A und O, ist eine ordentliche Hygiene, dass sich der Arzt gründlich die Hände wäscht.“

5. Wie können sich die Patienten vor solchen Keimen schützen?

O-Ton 6 (Tilo Neuhaus, 0:25 Min.): „Die Patienten sollten, wenn sie die Möglichkeit haben, sich ihre Klinik vorher angucken. Also nicht nur darauf achten, ist dort ein guter Operateur, sondern auch: Wie hält's die Klinik mit der Hygiene? Es gibt zum Beispiel Zertifikate von der ‚Aktion Saubere Hände‘. Die Klinik auch mal fragen: Hat das Krankenhaus einen Hygienebeauftragten? Das sind alles Sachen, damit kann man das Risiko nicht völlig ausschließen, aber man kann schon einiges vorwegnehmen.“

Tilo Neuhaus vom Verbrauchermagazin „Guter Rat“ über gefährliche Keime in unseren Krankenhäusern, vielen Dank!

O-Ton 7 (Tilo Neuhaus, 0:01 Min.): „Schönen Dank, auf Wiederhören!“

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