11.03.2011 14:25 Uhr in Leute und Radio

Wer zahlt die Rechnung? Kritik an Hochzeitsvorbereitungen im britischen Königshaus (Beitrag)

(ddp direct) Viele Londoner haben den 29. April schon längst in ihren Terminkalendern geblockt. Hunderttausende werden an diesem Tag auf den Beinen sein, um die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton möglichst nah zu erleben. Doch auch wenn die Mehrheit diesem Großereignis entgegen fiebert, es werden wohl nicht alle Briten Fähnchen schwenkend an der der Straße stehen, denn die anstehende Hochzeit ist ein gefundenes Fressen für die Kritiker der Monarchie. So wirft die britische Antimonarchistengruppe Republic dem Königshaus beispielweise vor, verschwenderisch mit dem Geld der britischen Steuerzahler umzugehen. Graham Smith, Pressesprecher der Monarchiegegner:

“Die königliche Familie wollte schon immer nehmen, was sie durch den Steuerzahler bekommen konnte. Und das haben sie auch dieses Mal getan. Der Steuerzahler wird mit einer großen Rechnung belastet werden. Der Palast hat es durch sein PR-Team bisher gut vertuschen können, dass sie für die Hochzeit eigentlich selber aufkommen sollen.”

Der ehemalige Hofberichterstatter Dickie Arbiter sieht das anders. Für ihn kann von Verschwendung keine Rede sein:

“Der Großteil der Kosten für die Hochzeit wird von der Queen und Prinz Charles getragen – keine Frage. Für die Sicherheit ist die Polizei zuständig. Sie hat dafür das Budget. Die königliche Familie zu kritisieren, weil es eine Hochzeit geben wird, ist völlig lächerlich.”

Tatsächlich hat es Queen Elisabeth eigentlich auch gar nicht nötig, auf das Geld der britischen Steuerzahler zurück zu greifen. Zwar schwanken die Schätzungen ihres Vermögens stark, doch laut der Forbes-Liste der reichsten Monarchen der Welt kommt die Königin immerhin auf ein Privatvermögen von gut einer halben Milliarde Euro. Damit könnte sie ihrem Enkel William auch ohne Hilfe ihrer Untertanen eine prunkvolle Hochzeit spendieren – denn die geschätzten 14 Millionen Euro für die Feier könnte sie sozusagen aus der Portokasse bezahlen.

Weiterer Pluspunkt für die Queen: Durch die Hochzeit boomt auch der Tourismus und spült frisches Geld in die britische Staatskasse. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum sich die Briten gerne ihre Königsfamilie leisten, sagt Monarchie-Experte Richard Fitzwilliams:

“Der Erhalt der Monarchie hängt natürlich nicht von den Touristen ab. Der Monarch muss Anklang bei den Briten haben. Sollten wir keine Monarchie haben wollen, gäbe es keine. Die Briten wollen sie, was alle Umfragen bestätigen.”

Aus diesem Grund haben es Gegner des britischen Königshauses ziemlich schwer. Der Bischof von Willesden, Pete Broadbent, musste im vergangenen November wegen kritischer Äußerungen sogar sein Amt abgeben. Er hatte behauptet, die Ehe von Prinz William und Kate Middleton werde nicht lange halten. Trotz einer öffentlichen Entschuldigung wurde er daraufhin vorübergehend vom Dienst suspendiert.