31.10.2012 11:30 Uhr in Bildung und Schule & Universität

Wird das Potenzial der Ganztagsschule wirklich genutzt?

Studie an der Universität Vechta liefert neue Ergebnisse


(Mynewsdesk) Seit 2003 sind eine Vielzahl von Halbtagsschulen in Ganztagsschulen umgestaltet worden. Derzeit bietet in Deutschland fast jede zweite Schule Ganztagsangebote an. Mit der steigenden Zahl der Schulen im Ganztagsschulbetrieb sind auch die teilnehmenden Schülerzahlen sprunghaft gewachsen: Im Schuljahr 2010/2011 haben deutschlandweit 28,1% der Schüler am Ganztagsschulbetrieb teilgenommen, Tendenz steigend (vgl. Bertelsmann Stiftung (2012): Was kostet der gebundene Ganztag? S. 8. Stand: 12.06.2012.).

Wie sich diese Veränderung der Schulstruktur auf die Schülerinnen und Schüler auswirkt und welche Potenziale in Ganztagsschulen noch genutzt werden können untersuchte die Vechtaer Wissenschaftlerin Carolin Duda in ihrer Studie „Wird das Potenzial der Ganztagsschule wirklich genutzt?“. Unter Leitung von Professorin Dr. Martina Flath analysierte Duda in der Studie, die Teil ihrer Dissertation ist, wie ergänzende Lernangebote am Nachmittag das Lernverhalten von Schülern an Ganztagsschulen beeinflussen.

Die Basis der Untersuchung ist die Struktur von Ganztagsschulen: Der Vormittag ist in der Regel wie in einer Halbtagsschule organisiert, die zusätzliche Zeit am Nachmittag wird mit unterschiedlichen Inhalten gefüllt. Den Schwerpunkt bilden dabei Angebote aus den Bereichen Sport, Kunst, Musik sowie die Hausaufgabenbetreuung. Diese Angebote bieten zu geringe Möglichkeiten im Unterricht Gelerntes aufzugreifen, zielgerichtet die Interessen und Kompetenzen der Schüler zu fördern bzw. weiterzuentwickeln. Nachmittagsangebote werden eher entsprechend der Verfügbarkeit von Personal und deren fachlichen Präferenzen ausgewählt, zu häufig fehlt es an inhaltlich und didaktisch-methodisch ausgereiften Lernangeboten. In der Ganztagsschule sollte aber der Nachmittag genutzt werden, um sinnvolle Freizeitbeschäftigungen kennenzulernen, soziale Ungleichheiten zu reduzieren und die zusätzlich zur Verfügung stehende Zeit für die Entwicklung unterschiedlicher Kompetenzen zu nutzen.

Die an der Universität Vechta verfasste Studie stellte positive Effekte fest, wenn die Schüler am Nachmittag additive Lernangebote vertiefend und ergänzend zum Vormittag bearbeiten. Als besonders geeignet hat sich dabei außerschulisches Lernen an verschiedenen Lernorten erwiesen. Die Lernangebote sind so konzipiert, dass sie sowohl in ländlichen als auch in städtischen Räumen problemlos in Ganztagsschulen durchgeführt werden können. Des Weiteren bestand der Anspruch darin, Lernangebote für den Nachmittag zu entwickeln, die Lehrplaninhalte aufgreifen sowie didaktisch-methodische Ansätze wirksam umsetzen: Verbindung von Lernenden mit ihrer regionalen Lebenswirklichkeit durch außerschulisches Lernen im heimatlichen Umfeld, Handlungsorientierung und fächerübergreifendes Lernen. Die Konzipierung entsprechender Nachmittagsangebote wurde ergänzt durch eine empirische Studie.

Ausgangspunkt der wissenschaftlichen Arbeit bildete eine qualitative Befragung von Schulleitern sowie eine umfassenden Analyse des aktuellen Forschungsstandes und der aktuellen Situation der Ganztagsschulen in Deutschland. Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse erfolgte die Konzipierung von Nachmittagsangeboten zu den Themen „Die Welt zu Gast in…“ und „Tourismus – unseren Ort erkunden und erleben!“ Inhaltliche Schwerpunkte sind die in vielen Bundesländern für die 7/8 bzw. 9/10 Schuljahrgänge vorgeschlagenen Themenbereiche Globalisierung bzw. Tourismus. Beide Lernangebote umfassen Stundenplanungen, Unterrichtsmaterialien und Zusatzinformationen für die Lehrkräfte für ein Schulhalbjahr. Sie können problemlos und ohne aufwendige Vorbereitungszeit von Seiten der Lehrkräfte bundeslandunabhängig in den unterschiedlichen Ganztagsschulen zum Einsatz kommen.

Das Lernangebot „Die Welt zu Gast in…“ wurde in einer niedersächsischen Ganztagsschule erprobt und durch eine quantitative Befragung der teilnehmenden Schüler anhand von Fragebögen begleitet. Im Anschluss an die Durchführung des Lernangebots ist der pädagogische Mitarbeiter der Schule hinsichtlich seiner Erfahrungen befragt worden. Das durchgeführte Nachmittagsangebot wurde im Hinblick auf den Kompetenzzuwachs der Schüler evaluiert. Die Ergebnisse der Fragebogenstudie belegen eindeutig dessen Wirksamkeit, alle gemessenen Dimensionen im Rahmen einer Längsschnittstudie weisen signifikante Veränderungen auf. Die Fachkompetenz der Schüler wurde gefördert und sie erhielten durch „vernetztes Lernen“ die Befähigung, verschiedene Aspekte abstrakter Sachverhalte zu verknüpfen und auf konkrete Situationen zu transferieren.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in weiteren Ganztagsschulen Einzug halten: Zum einen durch die Integration der Lernangebote in den Ganztagsschulbetrieb anderer Schulen, zum anderen durch die Entwicklung neuer Nachmittagsangebote, die sich nicht nur an Ganztagsschulen in Deutschland, sondern auch an Deutsche Schulen im Ausland richten sollen.



Auszug eines Informationsblatt für Schüler aus dem Lernangebot „Die Welt zu Gast in…?!“

„Die Welt zu Gast in ……?!“
Könnt ihr diese Frage lösen?

- Gibt es Facebook eigentlich auch im Kongo?
- Was haben wir vor Ort mit der Globalisierung und dem Welthandel zu tun?
- Was haben VW, Mc Donalds, Adidas und Puma mit unserem Shoppingverhalten und dem Welthandel zu tun?
- Was können wir tun um einen fairen Welthandel zu ermöglichen?
- Made in …… – und dann wohin?

Mit diesen Fragen sollt ihr euch nachmittags bei dem Lernangebot „Die Welt zu Gast in …?! Könnt ihr diese Frage lösen?“ beschäftigen.

Ihr werdet überwiegend außerhalb der Schule arbeiten (Supermärkte, Gemeinde, Geschäfte im Ort, Eine-Welt-Laden, Betriebe in der Region). Am Ende der Veranstaltung findet eine kleine Feier mit einem kulinarischen Buffet statt.

Die Teilnehmer sollten in die 9.-10. Klasse gehen. An dem Angebot können bis zu 20 Schüler teilnehmen.

Universität Vechta

Universität Vechta - das zeichnet uns aus

Eine junge Campushochschule mit ausgezeichneten Studienbedingungen und einem klar strukturierten Profil: Das ist die Universität Vechta. Mit elf verschiedenen Bachelor- und Masterstudiengängen bietet sie ein kleines, aber hochwertiges Studienangebot. Der Campus im Süden Vechtas stellt die Infrastruktur einer modernen Hochschule gepaart mit persönlicher Atmosphäre.

Wer wir sind

Über 3.500 Studierende und fast 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Bereich bilden die Universität Vechta. Sieben Institute, sechs eigenständige Fächer sowie zahlreiche Zentren und Arbeitsstellen sind die Basis von Forschung und Lehre. Dabei stellt die Universität Vechta bewusst relevante Zukunftsfragen der Gesellschaft in den Mittelpunkt: Bildung, Altern, sozialer und kultureller Wandel sowie der Ländliche Raum eröffnen Perspektiven für Forschungs- und Lehrprojekte.

Regional – International - Persönlich

„Regional verankert, international orientiert, persönlich betreut“ - diesem Statement hat sich die Universität Vechta verschrieben. Die zentrale Lage im Oldenburger Münsterland im Herzen Niedersachsens bietet viele Möglichkeiten für regionale Verknüpfungen und Kooperationen. Dabei ist die Forschung international ausgerichtet und schafft Perspektiven für internationale Projekte. Stets bleiben aber die Beziehungen zu Kolleginnen und Kollegen und auch zu Studierenden persönlich: In Vechta kennt man sich, und das ist gut so.

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Deutschland

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