12.02.2013 06:12 Uhr in Bildungspolitik und Bildung

„Wir haben die Individualität der Schüler ausgeblendet. Dies holen wir jetzt mit Schwierigkeiten nach“ –

Interview mit Deutsch-Herausgeber Ekhard Ninnemann


(Mynewsdesk) Deutschunterricht für heterogene Schülergruppen und mehrsprachige Klassen: Ekhard Ninnemann war 16 Jahre Schulleiter an einer integrierten Orientierungsstufe in Lüneburg. Als Dozent an der Leuphana Universität und Mitgestalter von Rahmenrichtlinien in Niedersachsen kennt er die aktuellen Herausforderungen an Schulen: Sprach- und Leseförderung, Differenzierung, Heterogenität. Im Interview nimmt der Mitherausgeber von „Doppel-Klick“, dem Sprach- und Lesebuch vom Cornelsen Verlag, Stellung zur optimalen Deutschstunde an mittleren Schulformen.

Eine optimale Unterrichtsstunde in Deutsch verläuft für mich…
Ekhard Ninnemann: „…heute ganz anders als in der von mir erfahrenen Schulzeit. Sie kann sehr vielfältig sein. Ein wichtiger Aspekt ist der, dass ich mit den Kindern in Kontakt bin und die Schüler diesen Kontakt auch fühlen. Das kann sich darstellen durch Wochenplanunterricht, das kann sich darstellen durch einen guten Frontalunterricht – es ist nicht an eine bestimmte Unterrichtsform gebunden. Es hängt von grundlegenden Determinanten wie Klassenkultur, Schulkultur oder dem Lehrwerkskonzept, das ich benutze, ab.“

Im Deutschunterricht an mittleren Schulformen wünsche ich mir…
Ekhard Ninnemann: „…einen Blick für die Heterogenität. Wir haben in der Vergangenheit so getan, als gäbe es drei homogene Gruppen im Schulleben, vier mit der Förderschule. Wir haben dabei die Individualität der Schüler(innen) ausgeblendet. Und das holen wir jetzt mit Schwierigkeiten nach, das anders zu sehen. Es entwickelt sich ein anderes Menschenbild – positiv. Der Deutschunterricht hat viele Facetten – von ganz trivialem Rechtschreib- bis hin zum literarischen Unterricht. Eines hat er in jedem Fall immer zum Gegenstand: die Kommunikation. Von daher macht es Sinn, sich im Deutschunterricht darüber besonders Gedanken zu machen. Es geht um Sprache und Sprache ist das Mittel unserer Kommunikation.“

Wie sähe für Sie ein perfekter Deutschunterricht aus?
Ekhard Ninnemann: „Von der Form her gibt es viele Möglichkeiten für diesen sogenannten ‚perfekten’ Deutschunterricht. Ich beschreibe einfach mal, wie ich es in Schulen erlebe, die den Dingen ein wenig voraus sind: Dort sehe ich Schüler(innen), die sehr eigenverantwortlich an ihren eigenen kleinen Projekten arbeiten und man hat den Eindruck, man redet – im positiven Sinne – auf Augenhöhe mit ihnen. Das ist etwas Wunderbares. Die Schüler(innen) sind Experten in der eigenen Sache, machen ihr eigenes Ding und sind im Optimalfall obendrein noch Experten der Einschätzung der eigenen Kompetenzen, in denen man sich gerade bewegt im Lernprozess. Ich gehe davon aus, dass auch ein guter Frontalunterricht oder eine gute Schülerpräsentation dies bieten können. Ich möchte nicht von Vorneherein eine Formentscheidung für den Unterricht fällen.“

Informationen zum Lehrwerkskonzept unter: http://www.cornelsen.de/doppelklick und http://www.cornelsen.de/doppel-klick

Zur Person: Ekhard Ninnemann war 16 Jahre Schulleiter an einer integrierten Orientierungsstufe in Lüneburg. Als Deutsch- und Englischlehrer und Mitgestalter von Rahmenrichtlinien in Niedersachsen kennt er die aktuellen Herausforderungen an Schulen: Differenzierung, Individualisierung, Heterogenität. Seit über 12 Jahren berät er den Cornelsen Verlag. Unter seiner Ägide entstanden sehr erfolgreiche Lehrwerkskonzeptionen für den Deutschunterricht. Er ist einer der Herausgeber von „Doppel-Klick“, dem Sprach- und Lesebuch für den Deutschunterricht an mittleren Schulformen, Gemeinschaftsschulen, Gesamt- und Stadtteilschulen. Er engagiert sich im Netzwerk Leseförderung Lüneburg e.V. und gestaltete als Dozent an der Leuphana Universität Lüneburg Seminare wie zum Beispiel das erfolgreiche und überregional bekannte Projekt „Zeitungsleser – Weltentdecker“ mit. An der Universität arbeitet er an den Themen kulturelle und literarische Anschlussfähigkeit. Auch in der Lehrerfortbildung engagiert sich Ninnemann und befeuert den Erfahrungsaustausch: Auf zahlreichen Veranstaltungen gibt er jährlich seine An- und Einsichten bundesweit auch an jüngere Kolleginnen und Kollegen weiter.

 
Drei Fragen zur optimalen Deutschstunde an: Ekhard Ninnemann, Doppelklick-Herausgeber bei Cornelsen und ehemaliger Lüneburger Schulleiter

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Cornelsen Verlag

Seit 1946 ist der Cornelsen Verlag fester Bestandteil der Bildungslandschaft. Mit einem Komplettangebot für alle Fächer, Schulformen, Bundesländer, zahlreichen Initiativen und Pilotprojekten leistet das Unternehmen einen aktiven Beitrag zur Verbesserung der Qualität von Schule und Unterricht. Das Verlagsprogramm umfasst über 17.000 Titel, darunter Lehrwerke, Selbstlernmaterialien, digitale Medien und eLearning-Angebote sowie Nachschlagewerke und Fachliteratur. Der Cornelsen Verlag ist ein Unternehmen der Franz Cornelsen Bildungsgruppe. http://www.fundamente.de

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