Pressemitteilung

14.10.2015 10:57 Uhr in Kultur und Vermischtes

Wandel und Trends in der Bestattungskultur

QR-Codes, Gemeinschaftsgrabanlagen, Kolumbarien und die Liebe zum Haustier über den Tod hinaus


(Mynewsdesk) Im Spannungsfeld von Individualität und Anonymität sucht eine mobile, säkularisierte Gesellschaft nach einem neuen Kontext für den Tod. Dabei kann es um die Verknüpfung von virtuellen Formen des Gedenkens in Form von QR-Codes auf einem Grabstein genauso gehen wie um den Wunsch, Mensch und Tier gemeinsam zu bestatten.

Vor ungefähr 20 Jahren war die Erdbestattung in einem Wahlgrab die dominante Bestattungsform. Zu einer Beerdigung sprach meist ein Pfarrer tröstende Worte und das Grab erhielt ein von einem Steinmetz gefertigtes Grabmal. In den vergangenen Jahren haben die Bestattungskultur und der Umgang mit der Trauer erhebliche Veränderungen erfahren.

QR-Codes und digitaler Nachlass

Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur, nennt das einen „Wandlungsschub“. Eine gewachsene Vielfalt unterschiedlicher Angebote von Bestattungsformen eröffnet individuelle Wahlmöglichkeiten, die nicht selten von den überlieferten Traditionen abweichen. Getrauert wird heute nicht mehr nur konkret in Tränen und emotionaler Ergriffenheit, sondern auch im Internet. QR-Codes auf Grabsteinen können auf die Lebensgeschichte des Verstorbenen im virtuellen Raum verweisen und erhalten zugleich einen konkreten Ort der Trauer an einem Grab. „Hier gehen neue Trends und gewachsene Formen der Trauer am Grab eine gute Verbindung ein“, so Wirthmann. Mit neuen gravierenden Problemfeldern werden Angehörige auch konfrontiert, wenn es um den digitalen Nachlass ihrer Verstorbenen geht: Was passiert mit E-Mail-Konten, digitalen Guthaben, Nutzungslizenzen für Lieder und Filme, die heruntergeladen wurden?

Deutlich ist eine Sinnentleerung von Riten und Bräuchen im Umfeld von Bestattung und Trauer festzustellen. Diese Entwicklung stellt auch die Kirchen vor neue Herausforderungen, wenn beispielsweise Gebete und Riten nur noch von einer kleinen Zahl von Trauergästen verstanden werden. Die schnellere Lebenspraxis ist es, die sich auf die Bestattungskultur auswirkt. Eine größere Mobilität der Familienangehörigen, die oft weit verstreut leben, verändert weiterhin die Präferenzen und Wünsche. So suchen Menschen auch nach Grabformen, die ihnen entsprechen.

Feuerbestattung

Das erklärt den Trend zur Feuerbestattung, die inzwischen 60% der ungefähr 870 000 Verstorbenen in einem Jahr in Deutschland ausmacht. Die Urne bietet verschiedene Beisetzungsformen, die das Erdgrab nicht ermöglicht. Doch: „Verstorbene sollen nicht in diese Mobilität einbezogen werden“, fordert etwa auch der Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter Dr. Rolf Lichtner. Längst stehen unsere Friedhof in einer Mitbewerberschaft mit anderen Formen: Grabeskirchen, Kolumbarien, verschiedene neue Varianten auf dem Friedhof bis hin zum Verstreuen (wenn es die Friedhofsatzung erlaubt) und Bestattungen in Naturräumen sind möglich. „Gerade das Verstreuen birgt jedoch große Probleme“, sagt Wirthmann. „Es gibt keinen speziellen Ort, an dem Angehörige trauern können. Es ist ein Aufgehen im Nichts, was der Hochschätzung der Individualität eines Menschen widerspricht.“ Ruhefristen auf Friedhöfen werden oft nur einmal in Anspruch genommen und nicht verlängert. „Das führt dazu, dass Identitätsorte für Familien und Menschen verloren gehen. Die Ex- und Hopp-Mentalität wirkt sich auch hier aus.“  

Tabuthema Preisgestaltung

Menschen geben heute – teilweise notgedrungen, teilweise bewusst – weniger Geld für eine Bestattung aus. „Deshalb findet sie in manchen Fällen nicht mehr in einem würdigen Rahmen statt. Tod und Sterben sind auch in unserer offenen Gesellschaft noch immer ein Tabuthema, deshalb wissen viele Menschen nicht, was eine Bestattung kostet und haben in dieser Hinsicht kein Preisgefühl“, erklärt Oliver Wirthmann. Positiv bemerkt er allerdings, dass Trauer unkonventionellere Formen annimmt, die Menschen sich nicht mehr vorschreiben lassen wollen, wie sie trauern. „Der soziale Druck hat abgenommen. Er empfiehlt: „Man sollte sich immer die Frage stellen, ob die Bestattung zu dem Leben des Verstorbenen passt und ihm gerecht wird.“ Wohl zu überlegen sei laut Wirthmann auch der Weggang vom traditionellen Familiengrab. „Vielen ist nicht bewusst, dass die Urne auch im Familiengrab beigesetzt werden kann.“

Vielfalt und Individualität, auch bei der Mensch-Tier-Bestattung

Was die Grabpflege betrifft, gibt es heute ebenso viele Möglichkeiten: Durch einen Grabpflegevertrag können diese Aufgaben von jemand anders übernommen werden, sollte man nicht am Ort wohnen. Auch Gemeinschaftsgrabanlagen mit einheitlicher Pflege seitens des Friedhofes sind eine Variante. Jüngst wurde das erste Grabfeld für die gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier in Essen eröffnet. Rechtlich sind solche neuen Grabanlagen unter Einhaltung bestimmter Vorschriften möglich und stellen einen weiteren Referenzpunkt für eine veränderte Wahrnehmung im Umgang mit dem Tod dar, konstatiert die Justiziarin des Bundesverbandes Deutscher Bestatter (BDB), Antje Bisping. Wenn es gelänge, die Vielfältigkeit der Gesellschaft auch auf dem Friedhof darzustellen, wäre unsere Bestattungskultur viel bunter. Deswegen gilt es, den Mut zu haben, eigene Schritte zu gehen und Dinge, die zunächst unkonventionell erscheinen, in die Gesamtbestattungskultur einzubetten.

Kuratorium Deutsche Bestattungskultur e.V.

Das Kuratorium Deutsche Bestattungskultur e.V. setzt sich in öffentlichen Veranstaltungen, Publikationen und Förderprojekten mit dem Wandel der Bestattungskultur auseinander.

Bestattungskultur ist Teil der Kultur und Spiegel der ethischen Werte einer Gesellschaft. Tod und Trauer, Traditionen und Rituale haben eine private und eine öffentliche Dimension, die in unserer Gesellschaft zunehmend verloren geht. Deshalb geht es um Impulse für eine bewusste Auseinandersetzung mit der Bestattungs- und Erinnerungskultur, um heute an die Folgen für morgen zu denken.

<h1>Wandel und Trends in der Bestattungskultur</h1><h2>QR-Codes, Gemeinschaftsgrabanlagen, Kolumbarien und die  Liebe zum Haustier über den Tod hinaus </h2><br/>
 
Weitere Pressemitteilungen
 
Bestattungsvorsorge vor dem Zugriff des Sozialamts geschützt (Pressemitteilung)

Bestattungsvorsorge vor dem Zugriff des Sozialamts geschützt

Eine angemessene Bestattungsvorsorge ist vor dem Zugriff staatlicher Behörden sicher. Oft versuchen Sozialämter ganz gezielt, Antragssteller zur Auflösung der Bestattungsvorsorge zu überreden, um beispielsweise Heimkosten zu decken. Das ist aber häufig nicht rechtens, wie verschiedene Urteile gezeigt haben, worauf Antje Bisping, Justiziarin des Bundesverbandes Deutscher ...

24.09.2015 09:48 Uhr in Finanzen und Sozialpolitik
Pressemitteilung enthält BilderBild
 
Neues Portal für die Suche
nach einem qualifizierten Bestatter im Internet
 (Pressemitteilung)

Neues Portal für die Suche nach einem qualifizierten Bestatter im Internet

Immer mehr Geschäfte werden heutzutage im Internet abgewickelt: Auch in einem so sensiblen Bereich wie dem Bestattungswesen werden in naher Zukunft etwa 20% aller Bestattungsaufträge zumindest über das Internet bei der Suche angebahnt oder initiiert, schätzen Experten. Doch wie können Angehörige auf diesem Wege einen qualifizierten und damit seriösen Bestatter ...

01.07.2015 09:51 Uhr in Wirtschaft und Vermischtes
Pressemitteilung enthält BilderBild
 
Mut an den letzten Schritt zu denken (Pressemitteilung)

Mut an den letzten Schritt zu denken

Haben Sie schon für Ihre Bestattung vorgesorgt? Mitten im Leben denkt niemand gerne an den Tod. Doch im Sterbefall muss heute jeder Mensch für seine eigene oder die Bestattung seiner Angehörigen selbst aufkommen. Wie die Finanzen im Todesfall aussehen, ist angesichts eventuell anfallender Pflege- und Heimkosten kaum vorherzusehen. Wer vorsorgt, entlastet seine Angehörigen. ...

04.05.2015 11:54 Uhr in Finanzen und Sozialpolitik
Pressemitteilung enthält BilderBild