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29.01.2010 12:31 Uhr in Wirtschaft

Anwohner fürchten Gebäudeschäden durch «Stuttgart 21»

Hausbesitzer rechnen mit zehn Jahren Großbaustelle - Baustart am Dienstag


Stuttgart (ddp.djn). Schmal hängt das Plakat vom Fenstersims der Schweizers in Stuttgart. «Oben bleiben - Kein S21» heißt es darauf. Frank und Elisabeth Schweizer sind vehemente Gegner des Projekts «Stuttgart 21». Von ihrer denkmalgeschützten Villa haben sie einen herrlichen Blick hinunter auf den Bahnhof im Talkessel, der innerhalb der kommenden zehn Jahre tiefergelegt und vom Kopf- in einen Durchgangsbahnhof umgebaut werden soll. Dabei soll auch ein Tunnel entstehen, der unter ihrem Haus verläuft. Am Dienstag ist offizieller Baustart.

Der Bauingenieur und die Lehrerin halten das Vorhaben für sinnlose Verschwendung von - nach jüngsten Berechnungen - etwa 4,09 Milliarden Euro und fürchten um die Lebensqualität in der Stadt. Die Großbaustelle schneide Wege ab und verursache Lärm und Dreck. Zudem haben sie Angst um ihr mit viel Liebe und Geld renoviertes Eigenheim. «Die größte Gefahr für unser Haus sind Anhebungen» des Untergrunds, schildert Frank Schweizer mit einem besorgten Blick durch seine randlose Brille. Unter dem Haus befinde sich eine Gipsschicht wie im badischen Staufen, wo sich die Altstadt nach Erdwärmebohrungen hebt. Zudem befürchtet das Paar, dass der Tunnel nicht ausreichend gedämmt wird. «Den schönsten Teil vom Ruhestand werden wir hier erschüttert», ist Schweizer überzeugt.

Er und seine Frau wohnen seit Anfang der 70er Jahre in dem Haus Baujahr 1890. Damals lebten sie in einer Studenten-WG, holten Freunde in die übrigen Wohnungen des Hauses und kauften das Gebäude 1979. Die Freunde sind heute immer noch ihre Mieter. «Wir sind in diesem Haus zusammen alt geworden», schildert Elisabeth Schweizer. Die Freunde aber wollen ausziehen, wenn der Tunnel kommt. So werde ihre Wohnkultur zerstört, bedauert die Lehrerin. Wenn sie durch das Haus führt, ist in jedem Detail das Herzblut für dessen Geschichte spürbar. Das Paar ließ von den Flügeltüren über die antiken Fenstergriffe nach und nach alles originalgetreu renovieren.

Als Hausbesitzer fühlen sich die Schweizers in der Pflicht, mobilzumachen. Gemeinsam mit anderen Anwohnern haben sie auch erfolglos versucht, den Tunnel per Klage zu stoppen. Das kostete rund 12 000 Euro und den Glauben an die Justiz. Sie seien «schockiert» gewesen, sagt die Gymnasiallehrerin, mit welcher «Ignoranz und Missachtung» das Gericht vorgegangen sei.

Dort scheiterte auch Egon Hopfenzitz. Der Rentner wird bald nicht mehr nach sieben Minuten Fußweg von seiner Wohnung zum Bahnhof gelangen, sondern «von Baustellen rund umgeben sein». Er sei dann «isoliert und abgeschnitten», fürchtet er. In seiner Umgebung werde eine Straße tiefergelegt, auf der täglich 2000 Lastwagen den beim Tunnelbau entstehenden Aushub abtransportierten. «Dann liegt die ganze Gegend in Dreck und Staub.» Ganz in der Nähe sollen vier Röhren für die Stadtbahn kommen. Sind Lärm und Erschütterungen am Ende zu groß, erhalten die Hauseigentümer laut Hopfenzitz eine Entschädigung. Nähmen sie diese nicht an, drohe die Enteignung.

Der Eisenbahner ist nach jahrelangem Widerstand tief enttäuscht von der Deutschen Bahn. Bis 1994 war Hopfenzitz Leiter des Stuttgarter Hauptbahnhofs, den er für leistungsstark hält. Die Verkehrspolitik sei nicht der Grund für «Stuttgart 21», glaubt er. «Das Ganze ist ein Immobilienprojekt.» Durch die Tieferlegung wird ein riesiges Areal frei, auf dem nicht nur ein Park entstehen soll, sondern auch Wohnungen und Bürogebäude. «Das wird politisch gewollt», schimpft Hopfenzitz. «Das ist ein reines CDU-Projekt.» Auch er habe sein Leben lang sein Kreuz bei den Schwarzen gemacht, schimpft er: «Das letzte Mal war ich bei den Grünen.»

Während Hopfenzitz glaubt, dass «Stuttgart 21» sich bald nicht mehr aufhalten lassen wird, hoffen die Schweizers, dass «das Finanzielle» doch noch zu einem Stopp führen kann. Den Baustart halten sie für «ein Schaulaufen». Kritisch werde es erst, wenn die großen Bäume im Schlosspark fallen und ein Teil des Bahnhofsgebäudes abgerissen wird.

Die beiden "Demo-erfahrenen 68er», wie sie über sich sagen, gehen zu jeder Protestaktion und mischen sich unter viele Menschen, die bislang vermutlich wenig auf die Straße gingen. Zwei hochbetagte Rentnerinnen etwa haben sich am Montag trotz ihres gebrechlich wirkenden Gangs in die klirrende Kälte gewagt. An ihnen vorbei trägt eine Dame elegant ihre Föhnfrisur in Richtung Bahnhof. Der Anstecker «oben bleiben» leuchtet bunt von Revers ihres braunen Pelzmantels.

(ddp)