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Ein «verpeilter» Held
Die ARD verfilmt den Bestseller «Neue Vahr Süd» von Sven Regener
Köln (ddp). Für die Passanten am Kölner Mediapark muss es am Mittwoch ein etwas irritierender Anblick gewesen sein: Junge Menschen mit ungewaschenen Haaren und 80er-Jahre-Klamotten telefonierten mit ihren iPhones, während Techniker zahlreiche Scheinwerfer und Kabel in den Keller des Kölner Filmhauses schleppten.
Dort fand eine Zeitreise zurück zum Anfang der 80er Jahre statt. Mit Liebe zum Detail war das «Haifischbecken» entstanden, der Treffpunkt der Clique von Frank Lehmann, Hauptfigur des Bestsellers «Neue Vahr Süd» von Sven Regener. Die ARD verfilmt derzeit den Roman um den 20-jährigen Bremer, der im Spagat zwischen Bundeswehr und links-alternativer Chaos-WG seinem Aufbruch aus der Provinz entgegensieht.
Im Drehort «Haifischbecken» schaffte das Filmteam mit alten «Spiegel»-Ausgaben, abgewetzten Teppichen und Sesseln das notwendige Zeitkolorit. Und Regisseurin Hermine Huntgeburth («Die weiße Massai») wunderte sich: «Man denkt immer, meine Güte, die 80er Jahre waren doch erst gestern, aber sie liegen tatsächlich schon 30 Jahre zurück. Tatsächlich ist ´Neue Vahr Süd´ ein historischer Film.»
Die Geschichte von Frank Lehmann hält die Regisseurin hingegen für zeitlos. «Auch heute wissen junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 20 oft nicht, wie es in ihrem Leben weitergeht. Eben wie unsere Hauptfigur.»
Frank Lehmann wohnt noch bei seinen Eltern in der Neuen Vahr, einer langweiligen Neubausiedlung in Bremen mit Anschluss an die Autobahn. Es ist das Jahr 1980, und Frank wird zur Bundeswehr einberufen. Und das, obwohl er, wie ihm Freunde versichern, «gar nicht der Typ dafür» sei. Doch Frank hat schlichtweg vergessen, zu verweigern. Kaum kommt er nach der ersten Woche beim Bund nach Hause, hat sich sein Vater in Franks Zimmer ausgebreitet.
Frank Lehmann wird von Frederick Lau gespielt. In weiteren Rollen sind Eike Weinreich, Miriam Stein, Johannes Klaußner, Robert Gwisdek, Hinnerk Schönemann und Ulrich Matthes zu sehen. «Wir stellen die Freundschaften von Frank Lehmann in den Mittelpunkt des Films, seine Art, mit Menschen umzugehen», sagte Huntgeburth und verspricht einen Humor, der sich vor allen aus den Dialogen nährt. «Einerseits ist Lehmann eine traurige Gestalt. Andererseits braucht gerade eine Komödie eine traurige Figur, die aus einer gewissen Hilflosigkeit weitreichende Entscheidungen trifft.»
Auch Hauptdarsteller Frederick Lau nimmt seine Figur in Schutz: «Natürlich ist Lehmann etwas ´verpeilt´, aber trotzdem ist er lebendig und kreativ. Und schließlich bekommt er ja die Kurve und bricht auf nach Berlin.»
Dort spielt dann der Roman «Herr Lehmann», den Leander Haußmann schon vor sieben Jahren mit Christian Ulmen in der Titelrolle verfilmte. Eine Belastung sei das nicht, betonte der 1989 geborene Lau: «Ich schätze Ulmen sehr, und ich habe auch den Film gesehen. Aber ich muss für mich einen eigenen Herrn Lehmann entwickeln.»
Die Dreharbeiten in Köln gingen am Mittwoch zu Ende. Dort diente neben dem Keller des Filmhauses auch noch das Kreiswehrersatzamt als Motiv. Die meisten Aufnahmen zu Lehmanns glückloser Karriere bei der Bundeswehr entstanden in Mechernich in der Eifel. Ab 2. Mai werden die Dreharbeiten in Bremen fortgesetzt, unter anderem an Originalschauplätzen des Romans «Neue Vahr Süd». Der Sendetermin des Films ist für Ende dieses Jahres geplant.
(ddp)
