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17.04.2010 10:38 Uhr in Kultur

Größte Ausstellung autistischer Künstler

188 Teilnehmer stellen in Kassel aus - Uwe Breckner aus Gießen baut Karussell-Modelle


Gießen (ddp-hes). Behutsam streicht Uwe Breckner mit einem Pinsel über die Autoscooter aus Pappe und Draht. Die bunten Modelle im Atelier der Lebenshilfe Gießen sind etwa so groß wie eine Streichholzschachtel und eine exakte Nachbildung der Originale: Zum Teil ist es schon Jahre her, dass der Künstler die Originale auf Jahrmärkten gesehen hat. Doch er erinnert sich nach an jedes Detail, vom Design der Rücklichter bis zur Form des Lenkrads. Der 36-Jährige ist Autist und verfügt über ein fotografisches Gedächtnis. Eine Auswahl seiner besten Werke sind demnächst in der Ausstellung «Ich sehe was, was du nicht siehst» in der Documenta-Halle in Kassel zu sehen.

Vom 29. Mai bis 20. Juni stellen dort insgesamt 188 Autisten aus ganz Deutschland ihre Kunstwerke aus. Veranstalter ist der Verein Autismus Deutschland e.V., seinen Angaben zufolge ist es die größte Ausstellung dieser Art. Autismus ist eine Entwicklungsstörung, die sehr unterschiedliche Auswirkungen hat. Die Betroffenen haben Probleme im sozialen Umgang mit ihren Mitmenschen, sind oft aber extrem intelligent. Die Vereinsvorsitzende Maria Kaminski sagt, sie habe mit der Ausstellung die Menschen mit ihren Fähigkeiten und nicht die Krankheit in den Vordergrund stellen wollen.

«Es ist erstaunlich, was Autisten hervorbringen können, obwohl man es ihnen oft nicht zutraut», betont Kaminski. Noch vor 40 Jahren seien Autisten häufig in Psychiatrien «abgeschoben» worden. Inzwischen gebe es einen viel besseren Umgang mit der Krankheit, die Talente der Betroffenen würden stärker gefördert. In der Kunst hätten sie eine gute Möglichkeit, sich auszudrücken und ihre Erlebnisse zu verarbeiten, sagt die Expertin. Zu den besonderen Fähigkeiten von Autisten zähle, dass sie akribisch genau arbeiteten und kleinste Details beachteten. Der Vereinschefin ist es wichtig, dass die Werke in der Ausstellung nicht als «Kinderschmiererei» abgetan werden, sondern als Kunst ernst genommen werden.

Der Verein hatte für die Ausstellung einen öffentlichen Aufruf gestartet, die Resonanz war groß. «Niemand ist abgewiesen worden», sagt Kaminski. Eine Jury wählte 65 Künstler aus, die ihre Werke in der Halle ausstellen dürfen. Alle anderen Bilder und Skulpturen werden im Kabinett in einem Nebengebäude gezeigt. Die Kunstwerke sollen auch zum Verkauf stehen. Es habe schon erste Anfragen geben, berichtet die Vorsitzende. Die Werke autistischer Künstler sollen in Zukunft auch in anderen Städten als Wanderausstellung zu sehen sein.

Aus Gießen sind drei Künstler mit von der Partie. Uwe Breckner gibt sich bescheiden: «Dort auszustellen ist zwar eine Ehre, doch mich selbst als Künstler zu bezeichnen, wäre zu viel gesagt». Große Freude wegen der Ausstellung sei bei ihm nicht aufgekommen, er habe die Zusage einfach «akzeptiert», sagt der 36-Jährige. Sein halbes Leben widmet er bereits der Kunst. Seine Leidenschaft für Jahrmärkte hat er bereits als Kind entwickelt, bis zu seiner Jugend lebte Breckner in Rumänien, dort besuchte er häufig Rummelplätze. Alles daran habe ihm gefallen, berichtet Breckner: die Menschen, die vor Freude auf den Karussellen geschrien hätten, die blinkenden Lichter der Fahrgeschäfte, das Design der Buden mit ihren Fabelwesen.

«Ein Modell nachzubauen, das sind zum Teil komplizierte Vorgänge», erklärt er. Bei den Miniaturen sei Fingerfertigkeit gefragt, für einen Autoscooter brauche er im Schnitt fünf Tage, andere Karusselle könnten Monate dauern. An einer Berg- und Talbahn bastelt er schon seit zwei Jahren. Er brauche so lange, weil alles exakt dem Orignal entsprechen müsse, sagt Breckner: «Genauigkeit ist mir sehr wichtig. Wenn ich mich nicht mehr an ein Detail erinnern kann, lege ich das Modell zur Seite und baue es nicht weiter.»

Jeden Montag werkelt er mit seinen beiden Kollegen Matias Völksch und Andreas Kuhl im Atelier der Lebenshilfe. Alle drei stellen in der Documenta-Halle aus. Von Matias Völksch sind ornamentale Grafiken zu sehen, er arbeitet mit Bleistift und Kugelschreiber. In seinen abstrakten Mustern verbindet er Schriftzüge und Blumen. Von Andreas Kuhl werden Fotografien zu sehen sein. Sein Lieblingsthema ist der Fernmeldemast. Einen einzigen Mast fotografiert er aus zig unterschiedlichen Perspektiven. «Fotografieren ist für ihn ein Zwang», berichtet Kunstassistentin Andrea Lührig. Er archiviere jeden noch so kleinen Schnipsel. Jeden Tag lebe Kuhl nach einem straffen Zeitplan, die kleinste Unterbrechung bringe ihn durcheinander. Trotz des Rummels werde er aber die Ausstellung sicher genießen, sagt Lührig.

(ddp)