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Lena Meyer-Landrut fährt zum Grand Prix
Schülerin aus Hannover setzt sich mit Popsong «Satellite» durch - Angst hat sie nur vorm Abi
Köln (ddp-nrd). Vor ihrem Grand-Prix-Auftritt in Oslo ist sie zwar aufgeregt, richtig Angst hat sie momentan aber nur vor dem Abitur. Lena Meyer-Landrut fährt für Deutschland zum Eurovision Song Contest und wird am 29. Mai vor rund 120 Millionen Zuschauern den Popsong «Satellite» singen. «Das Lampenfieber ist sowieso immer auf Stufe 3000, und in Oslo wird es wahrscheinlich auf Stufe 4568 sein. Aber das ist Aufregung und keine Angst wie beim Abi», sagte die 18-jährige Hannoveranerin am Sonntag. Sie wolle versuchen, beide großen Aufgaben, «ganz gut unter einen Hut zu kriegen». Mit den Abiprüfungen geht es Mitte April los. «In Oslo hätte ich dann alles schon im Täschken», frohlockte sie auf ihre typische Art.
Videodreh, Plattenvertrag und die ersten Erfolge in den Musikhitlisten: Für die 18-Jährige überschlagen sich derzeit die Ereignisse. Am Freitagabend entschied sie den deutschen Grand-Prix-Vorentscheid für sich und stand kurzzeitig unter Schock. »Kann ich vielleicht was trinken«, sagte sie auf der Bühne, fing sich dann aber und rief: »Das ist so verdammt krass, das ist so derbe, ich hätte nicht gedacht, dass mich das so mitnimmt.«
Die Hannoveranerin setzte sich in der Castingsendung »Unser Star für Oslo« gegen die zweite Finalistin, die ebenfalls erst 18 Jahre alte Jennifer Braun aus Hessen, durch. Noch in der Nacht wurde das Video zu »Satellite« in Köln gedreht - ein dynamisches Lied im Stil eines britischen Popsongs, der mit seinen Sprechgesang-Partien perfekt zu Lena passt. Bei führenden Musik-Download-Portalen stand »Satellite« bereits am Samstag auf Platz eins.
Die TV-Zuschauer hatten nicht nur über die Künstlerin, sondern in einem ersten Schritt auch über den Song für Oslo entschieden. Drei englischsprachige Lieder standen pro Kandidatin zur Wahl. Die Komponisten blieben während des Wettbewerbs geheim, um eine mögliche Beeinflussung des Publikums auszuschließen. So wurde erst nach der Show bekannt, dass Jury-Chef Stefan Raab selbst ein Lied ins Rennen geschickt hatte.
Meyer-Landruts dritter Titel »Love Me«, den sie mit besonderer Begeisterung präsentierte, stammte von Raab. Er hatte ihn ihr auf den Leib geschrieben und den Text gemeinsam mit ihr entwickelt. »Das ist Demokratie, das Publikum hat entschieden«, kommentierte der ProSieben-Moderator. »Satellite« stammt aus der Feder eines US-Komponisten-Duos.
Lena Meyer-Landrut galt seit dem Start der gemeinsamen Showreihe von ARD und ProSieben als Favoritin. Die jüngste Teilnehmerin hatte die wechselnden Juroren um Raab mit ihren teils unkonventionellen Auftritten und ihrer Leichtigkeit begeistert. Sie galt als »verrückte Nudel« und als Paradiesvogel der Show und fiel immer wieder durch ihre schlagfertigen Bemerkungen und ihre selbstbewusste Art auf.
In der Jury wurde Raab diesmal von Xavier Naidoo und Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß unterstützt. »Du hast es geschafft, diesen mir noch unbekannten Song so zu verkaufen, als wäre es Deiner«, lobte Naidoo Meyer-Landrut nach ihrem ersten Auftritt. Raab schwärmte: »Man sitzt hier und ist ein bisschen verzaubert und denkt, guck mal hier: Es blüht alles.« Kloß staunte: »Du bist 18 und gehst hier raus, als wäre das gar nichts.« Ebenso wie Naidoo war sie aber der Meinung, dass beide Finalistinnen das Ticket für Oslo verdient hätten.
Die im Finale zur Wahl stehenden Titel reichten von einer ruhigen Liebesballade bis zu rasanten Nummern. Sie waren aus mehr als 300 aus aller Welt eingereichten Songs ausgewählt worden. Bei Braun gefiel dem Publikum die rockige Nummer »I Care for You« am besten. Sie sei »einfach die Königin der langen Töne«, lobte Raab Jennifers Leistung.
4,5 Millionen Zuschauer sahen das Finale der Castingshow am Freitag im Ersten. Die Zusammenarbeit von ARD und ProSieben bei der Showreihe war eine Premiere. Raab hatte selbst dreimal erfolgreich beim Grand Prix mitgemischt. Mit seiner Hilfe soll Deutschland beim Song Contest nach den schlechten Ergebnissen der vergangenen Jahre wieder punkten.
Der Entertainer bekräftigte am Freitagabend sein Ziel für Oslo: Platz zehn oder noch besser. Auch der Grand-Prix-Experte Irving Wolther sieht gute Chancen auf eine Platzierung in den Top Ten. Beim Eurovision Song Contest komme es vor allem darauf an, in Erinnerung zu bleiben, sagte er. Lena habe dafür beste Voraussetzungen mit ihrem »eigenständigen Charakter, mit ihrer so ungewöhnlichen Stimme und ihrer Bühnenpräsenz".
Die Schülerin selbst will sich dagegen nicht auf ein bestimmtes Ergebnis festlegen. «Mein Ziel ist es, von der Bühne zu gehen und zu sagen, ja Lena, das hast Du gut gemacht.» Sie freue sich «riesig» auf ihren Auftritt. «Natürlich hat man Bammel, aber ich glaube nicht, dass ich da sterben werde.»
(ddp)
