Für Messebesucher steht der Datenschutz auf dem Prüfstand


Attacken aus dem Internet verringern immer wieder das Vertrauen in die digitale Welt. Mit der Optimierung und Auswertung persönlicher Informationen wächst zudem die Angst vor einer Rundum-Überwachung. Nicht zu unterschätzen ist auch, dass private und öffentliche Stellen sich die digitalen Möglichkeiten zur Registrierung über die gesetzlichen Grenzen hinaus zu nutzen machen können. Oft stehen hier ehrenwerte Ziele wie Steuergerechtigkeit oder die Begrenzung von Kriminalität im Vordergrund. Nicht immer haben die Verantwortlichen aber hier wirklich alles im Griff, etwa wenn Daten ungewollt aus dem Internet abrufbar gemacht werden oder wenn Hacker oder Insider den Inhalt von Festplatten kopieren und zum Kauf anbieten. Aber auch, wenn gesammelte Daten ohne Einwilligung der Betroffenen einfach ungefragt an Dritte weitergegeben werden.

Datenhandel an deutschen Messeständen
Seit dem Ende der neunziger Jahre wird in den USA mit den persönlichen Daten von Messebesuchern nach dem Motto: „Sie tippen nur noch ihre persönlichen Daten ein und erhalten Ihr persönliches Ticket“, ein lukrativer Handel betrieben. Aussteller und Veranstalter profitieren gleichermaßen und der „registrierte Besucher“ oftmals weniger als hierzulande am Datenschutz interessierte amerikanische Messegast liefert sich „als gescannte Ware“ aus. In Deutschland undenkbar? Auch die Düsseldorfer Messe bietet den Ausstellern nach dem US-Vorbild den Service einer Besucherregistrierung und kann quasi durch die Hintertür in den lukrativen Handel mit Daten der Messebesucher einsteigen. Diese liefern bereits mit der Online Bestellung Ihre Daten ab. Sie klar und deutlich zu fragen, ob die zur Kartenbestellung erfassten Auftragsdaten auch zu anderen Zwecken genutzt oder gar an Dritte weitergegeben werden dürfen, wird dabei allerdings vermieden. Zwar gibt es in den Geschäftsbedingungen eine formale Widerspruchsmöglichkeit. Dieser ist jedoch so gestaltet, dass der Hinweis zur Löschung ähnlich einem „Facebook-Ausstieg“ nicht so einfach zu finden ist und ohne juristische Fachkenntnisse kaum zu verstehen sein dürfte. Der Grund: Durch die Anmietung der für die Besuchererfassung notwendigen Technik bei der Messe und anderen Subunternehmen (Mietkosten ab 75 bis 399 Euro pro Gerät) sollen die Aussteller zu hundert Prozent an die aktuellen Besucherdaten gelangen. Sollte etwa die Mehrzahl der
Besucher einer Messe wie z. B. der DRUPA (mit rund 390 000 Besuchern sowie ca. 2.000 Ausstellern) den Datensammlern ins Netz gehen und der Erfassung Ihrer Daten nicht widersprechen, kann sich der Handel für die Messe zu einem lohnenden Geschäft im sechsstelligen Bereich entwickeln. Der Datenschutz bleibt dabei allerdings auf der Strecke. Andere Messeveranstalter mit hohen Besucherzahlen werden das Modell sicherlich begeistert aufgreifen. Es hängt am Ende wohl alles vom Messegast ab. Er allein entscheidet, ob er in Zukunft „gläsern“ sein möchte oder ob er auf die Einhaltung seiner Datenschutzrechte besteht, bzw. die Weiterleitung für andere Zwecke untersagt. Wer übrigens darauf vertraue, dass Daten die auf Servern „im Land des Datenschutzes“ oder irgendwo in Europa abgelegt werden, immer sicher seien - könne schnell enttäuscht werden. Sobald die Betreiberfirma eine amerikanische ist, muss sie den amerikanischen Behörden auch auf die Daten europäischer Kunden Zugriff ermöglichen. Dazu ist sie nach dem US-Antiterrorgesetz „Patriot Act“ und dem „ FISA Amendments Act von 2008“ laut dem Handelsblatt verpflichtet.

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