31.10.2013 17:21 Uhr in Wissenschaft

Von Messehostessen, Sachunterricht und Bordellbesuchen - Interdisziplinäre Geschlechterforschung überschreitet Grenzen

Neue Nachwuchsforschergruppe „Gender Studies“ an der Universität Vechta


(Mynewsdesk) Was haben Messehostessen, Sachunterricht in der Grundschule und Incentivierung von Führungskräften gemeinsam? Alles sind Bereiche, in denen Geschlechterforschung stattfindet. Geschlechterforschung, oder neudeutsch „Gender Studies“, überschreitet Grenzen – und das in vielerlei Hinsicht.

Gender Studies fragen nach der Bedeutung von Geschlecht in unterschiedlichsten Kontexten. Sie sind dabei interdisziplinär ausgelegt, Fachbereiche arbeiten themenübergreifend und international. Damit einher geht die Bildung eines breiten Spektrums an wissenschaftlichen Forschungsansätzen, Theorie- und Methodenkompetenzen.

Die daraus resultierenden Sicht- und Herangehensweisen von Forscherinnen und Forschern bieten Potenzial für Geschlechterforschung in vielen Bereichen – oftmals auch solchen, die zunächst keine Verbindung zu geschlechterrelevanten Fragestellungen aufzuweisen scheinen. Dies belegt anschaulich die neue Nachwuchsforschergruppe „Gender Studies“ an der Universität Vechta. Unter Leitung von Dr. Jantje Halberstadt arbeiten hier aktuell fünf Doktorandinnen – interdisziplinär und international: Die Fächer reichen von Gerontologie bis Kulturwissenschaften, die Herkunftsländer von Deutschland über Österreich bis Pakistan.

Doch was haben Messehostessen mit Gender Studies zu tun? Die Doktorarbeit von Soziologin Tanja Kubes untersucht dazu „Fragmentierte Identitäten: Rollenbilder, Medialisierungen und Inszenierung von Weiblichkeit – Untersuchung am Beispiel von Hostessen auf Automobilmessen“. Sie befasst sich damit, wie und in welchem Umfeld Frauen heute auf Stereotype reduziert werden und warum dies passiert. Linya Coers aus Vechta dagegen verfolgt ein ganz anderes Thema: Sie untersucht, in welchem Umfang Grundschullehrkräfte die Neigung von Schülerinnen und Schülern für Mathematik und Technik unbewusst beeinflussen. Ihre Dissertation „Genderkompetenzen von Sachunterrichtslehrkräften – Sensibilisierung von Schülerinnen und Schülern für MINT-Fächer“ arbeitet dabei u.a. mit qualitativen Interviews. Ziel der Arbeit ist es, Mechanismen in Verhalten und Unterrichtsgestaltung von Lehrkräften zu identifizieren und sie so für diese unbewusste Manipulation zu sensibilisieren.

Diese beiden Beispiele zeigen: Gender Studies finden in vielen Disziplinen Anwendung. Neben Sozial- oder Kulturwissenschaften lassen sich aber auch Bereiche wie Personalführung oder -politik unter Genderaspekten untersuchen. Dr. Jantje Halberstadt widmet sich aktuell der Frage des „Topsharing – Möglichkeiten und Grenzen von Teilzeitarbeit auf Führungsebene“. „Im Sinne eines familienfreundlichen Arbeitsklimas ist dieses Thema hochaktuell“, weiß Halberstadt. „Viele Arbeitgeber brüsten sich mit diesem Prädikat, tatsächlich findet Teilzeitarbeit aber nur auf unteren Ebenen statt, oft noch schließen sich Kind und Karriere in Führungspositionen aus.“ Ein weiteres Thema hat Halberstadt auch schon in Aussicht: „Was bekommt eigentlich Frau Kaiser? - Geschlechterunterschiede in der Incentivierung von Führungskräften am Beispiel von Bordellbesuchen“. „Damit polarisiert man natürlich“, so die Wissenschaftlerin. „Aber die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Führungspositionen werden an dieser Stelle besonders deutlich. Warum sollte man daher nicht der Frage nachgehen, inwiefern dadurch Netzwerknachteile für Frauen entstehen?“ 
Mit dem Schwerpunkt „Genderforschung – Geschlecht und Identität in Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur“ setzt die Universität Vechta bewusst auf eine neue, interdisziplinäre Profilierung. Neben der Nachwuchsforschergruppe Gender Studies unterhält sie u.a. drei Juniorprofessuren: „Gender and Rural Studies“ (Geographie), „Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Gender“ und „Transkulturalität und Gender“ (beide Soziale Arbeit). Zentral und institutsübergreifend arbeitet außerdem das Netzwerk Gender Studies, eine Koordinationsstelle für in- und externe Forschungsprojekte aus dem Bereich Geschlechterforschung.

Weitere Informationen zur Genderforschung an der Universität Vechta: www.uni-vechta.de/forschung/forschungsschwerpunkte/netzwerk-gender-studies/

Universität Vechta

Die Universität Vechta ist eine junge Campushochschule mit ausgezeichneten Studienbedingungen und einem klar strukturierten Profil. Attraktive und zukunftsweisende Studiengänge, eine persönliche Betreuung und weltweite Austauschprogramme stehen für ein hochwertiges Studium. Die zentrale Lage im Oldenburger Münsterland im Herzen Niedersachsens garantiert gute Erreichbarkeit, der Campus bietet die Infrastruktur einer modernen Hochschule gepaart mit persönlicher Atmosphäre für aktuell über 4.000 Studierende.

<h1>Von Messehostessen, Sachunterricht und Bordellbesuchen - Interdisziplinäre Geschlechterforschung überschreitet Grenzen</h1><h2>Neue Nachwuchsforschergruppe „Gender Studies“ an der Universität Vechta</h2><br/>
 
Weitere Pressemitteilungen von Universität Vechta Pressemappe zur Pressemappe
 

„… so that I wished myself to be a horse“: Das Pferd als Repräsentant kulturellen Wandels in Denksystemen

Seit der Antike ist das Verhältnis von Mensch und Pferd ein dynamisches und höchst wechselseitiges. Der Pegasusritt des Dichters oder die Verschmelzung von Mensch und Pferd im Zentauren ...

25.10.2013 11:06 Uhr in Wissenschaft
 

„Meine Sandburg ist höher als deine!“ Wie Kinder Mathematik in der Natur entdecken können

Zwei Kinder sitzen im Sandkasten und bauen Burgen. Sie verschönern sie mit Steinen, Ästen und Blättern, dann bewundern sie ihr Werk. Eine alltägliche Situation, wie sie in jedem ...

09.10.2013 14:45 Uhr in Wissenschaft und Kinder & Jugend
 

„Der Prozess der Zivilisationen – 20 Jahre nach Huntington“

Von Freitag, 18., bis Sonntag, 20. Oktober, ist die Universität Vechta Schauplatz der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft zur Erforschung des Politischen Denkens (DGEPD) mit dem Titel ...

30.09.2013 12:18 Uhr in Wissenschaft